Aktienarten sind wie Getriebearten bei Autos.
Automatik oder Schaltgetriebe – beide bringen dich ans Ziel.
Aber eines passt besser zu dir.
Das Problem:
Die meisten Anleger wissen nicht, welche Aktienarten es gibt. Sie kaufen einfach drauflos. Und verschenken dabei Geld.
Ich habe 25 Jahre Börsenerfahrung. Ich habe mit allen Aktienarten gehandelt. Stammaktien, Vorzugsaktien, Namensaktien, junge Aktien.
Mein Fazit:
Du brauchst nur 3 Dinge zu verstehen, um die richtige Wahl zu treffen.
In diesem Artikel zeige ich dir:
- Welche 4 Aktienarten wirklich existieren (alles andere ist Marketinggeschwätz)
- Warum Vorzugsaktien für Privatanleger fast immer die bessere Wahl sind
- Wann junge Aktien ein Warnsignal sind, das du nicht ignorieren solltest
Bereit, Aktienarten endlich zu durchschauen?
Dann lies weiter.
Das Wichtigste in Kürze
- Stammaktien vs. Vorzugsaktien verstehen: Als Privatanleger sind Vorzugsaktien oft besser für dich. Du verzichtest auf das Stimmrecht und bekommst dafür höhere Dividenden bei günstigerem Kaufpreis.
- Inhaberaktien sind dein Standard: In Deutschland bleibst du bei den meisten Aktien anonym. Bei Namensaktien wird dein Name registriert, was den Handel komplizierter macht.
- Aktienarten am Kürzel erkennen: Keine Zusätze = Stammaktie, "Vz" oder "V" = Vorzugsaktie. So weißt du sofort, was du kaufst.
- Junge Aktien als Warnsignal prüfen: Neue Aktienausgaben können auf finanzielle Probleme hindeuten. Prüfe, ob das Unternehmen Kapital für Wachstum braucht (gut) oder zum Schulden tilgen (Warnsignal).
- Die 90/10-Regel anwenden: Investiere 90 % in ein automatisiertes Kerndepot (ETFs oder Robo Advisor). Mit maximal 10 % kannst du einzelne Aktienarten testen, ohne deine Zukunft zu gefährden.
Was sind Aktienarten überhaupt?
Eine Aktie ist nicht gleich eine Aktie. Es gibt verschiedene Formen mit unterschiedlichen Rechten und Eigenschaften.
Eine Aktie ist ein Wertpapier, das dir einen Anteil an einem Unternehmen gibt. Du wirst Miteigentümer. Je mehr Aktien du hältst, desto größer ist dein Anteil.
Soweit die Theorie.
In der Praxis gibt es aber verschiedene Arten von Aktien. Manche geben dir Stimmrecht, andere nicht. Manche zahlen höhere Dividenden, andere weniger. Manche kannst du anonym kaufen, bei anderen wird dein Name registriert.
Diese verschiedenen Formen nennt man Aktienarten.
Und diese Arten unterscheiden sich nach folgenden Kriterien:
- Stimmrecht: Darfst du mitbestimmen oder nicht?
- Übertragbarkeit: Wird dein Name registriert oder bleibst du anonym?
- Unternehmensanteil: Wie wird dein Anteil berechnet?
- Ausgabezeitpunkt: Ist die Aktie alt oder neu?
Klingt kompliziert?
Ist es nicht. Ich erkläre dir jetzt die wichtigsten Arten.
Stammaktien vs. Vorzugsaktien: Das musst du wissen
Diese Unterscheidung ist die wichtigste überhaupt. Und sie betrifft dich direkt bei jedem Aktienkauf.
Stammaktien: Stimmrecht, aber oft weniger Geld
Stammaktien sind der Standard. Wenn du eine BMW-Aktie kaufst, hast du normalerweise eine Stammaktie vor dir.
Was bekommst du?
Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Du darfst mitentscheiden, wenn es um Dividendenbeschlüsse oder die Wahl des Vorstands geht.
Klingt wichtig. Ist es aber nicht.
Zumindest nicht für dich als Privatanleger.
Warum?
Weil du mit 100 oder 1.000 Aktien ohnehin nichts bewegen kannst. Die großen Anteilseigner und institutionellen Investoren treffen die Entscheidungen. Deine Stimme verpufft.
Vorzugsaktien: Kein Stimmrecht, dafür mehr Dividende
Vorzugsaktien verzichten auf das Stimmrecht. Als Ausgleich erhältst du Vorrechte. Meist in Form einer höheren oder bevorzugten Dividende.
Für dich als Privatanleger ist das oft die bessere Wahl.
Ein konkretes Beispiel: Volkswagen.
Die VW-Stammaktie kostet rund 120 Euro. Die VW-Vorzugsaktie (erkennbar am Kürzel VZ) kostet etwa 110 Euro. Sie ist also günstiger. Und zahlt meist eine höhere Dividende.
Was würdest du kaufen?
Die Vorzugsaktie. Logisch.
Merke dir: Wenn du Dividenden kassieren willst, sind Vorzugsaktien meistens besser als Stammaktien. Du sparst Geld beim Kauf und bekommst mehr Ausschüttung.
Inhaberaktien vs. Namensaktien: Wer weiß, dass du Aktionär bist?
Bei Inhaberaktien bleibst du anonym. Bei Namensaktien weiß das Unternehmen, wer du bist.
Inhaberaktien: schnell und anonym
Inhaberaktien gehören dem, der sie besitzt. Dein Name steht nirgendwo. Die Aktiengesellschaft weiß nicht, wer du bist. Nur deine Depotbank kennt dich.
Das macht den Handel einfach und schnell. Du kannst kaufen und verkaufen, ohne dass irgendwer Bescheid weiß.
In Deutschland sind die meisten Aktien Inhaberaktien. Du musst dir keine Gedanken machen.
Namensaktien: das Unternehmen kennt dich
Eine Namensaktie wird auf deinen Namen ausgestellt. Du stehst im Aktienregister des Unternehmens. Mit Namen, Geburtsdatum, Adresse und der Anzahl deiner Aktien.
Das hat Vorteile für das Unternehmen. Es kann dich direkt kontaktieren, zum Beispiel für Einladungen zur Hauptversammlung.
Für dich hat es einen kleinen Nachteil: Die Übertragung kann länger dauern und manchmal fallen Gebühren an, weil das Aktienregister aktualisiert werden muss.
Beispiel: T-Mobile US ist eine Namensaktie. Wenn du sie kaufst, wirst du registriert.
Meine Erfahrung: In Deutschland spielen Namensaktien kaum eine Rolle. Nur bei internationalen Investments kann es vorkommen. Dann weißt du jetzt Bescheid.
Vinkulierte Namensaktien: für dich irrelevant
Es gibt noch eine Sonderform: vinkulierte Namensaktien. Hier kann das Unternehmen die Übertragung ablehnen. Das dient dem Schutz vor feindlichen Übernahmen.
Als Privatanleger wirst du diese Art kaum jemals kaufen. Ich erwähne sie nur der Vollständigkeit halber.
Stückaktien vs. Nennwertaktien: Wie dein Anteil berechnet wird
In Deutschland dominieren Stückaktien. Du kannst diesen Abschnitt überspringen, wenn du nur deutsche Titel kaufst.
Stückaktien: jede Aktie ist gleich viel wert
Stückaktien repräsentieren einen prozentualen Anteil am Unternehmen. Jede Aktie ist gleich. Simple Sache.
Wenn ein Unternehmen 1 Million Aktien ausgegeben hat und du 1.000 Stück besitzt, gehören dir 0,1 % des Unternehmens.
Der Wert wird durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt.
Nennwertaktien: fester Nominalwert
Nennwertaktien haben einen festen Nominalwert, zum Beispiel 5 Euro oder 50 Euro pro Aktie. Dein Anteil am Unternehmen errechnet sich aus der Summe dieser Nennwerte.
Der Börsenkurs kann über dem Nennwert liegen. Das macht die Berechnung komplizierter.
Relevanz für dich: Keine. In Deutschland sind fast alle Aktien Stückaktien. Nur bei sehr alten Aktien oder ausländischen Wertpapieren kannst du auf Nennwertaktien stoßen.
Junge vs. alte Aktien: Timing kann dich Geld kosten
Wenn ein Unternehmen neue Aktien ausgibt, entstehen junge Aktien. Sie sind oft günstiger, haben aber eingeschränkte Rechte.
Stell dir vor: Ein Unternehmen braucht frisches Kapital. Es gibt neue Aktien aus. Das nennt man Kapitalerhöhung.
Diese neuen Aktien heißen junge Aktien.
Sie werden zuerst den bestehenden Aktionären angeboten, damit diese ihren prozentualen Anteil halten können. Das ist fair.
Aber: Junge Aktien haben anfangs nur eingeschränkte Dividendenrechte. Erst nach der nächsten Hauptversammlung sind sie voll berechtigt. Ab dann heißen sie nicht mehr jung.
Alte Aktien sind die, die bereits vorher im Umlauf waren. Sie haben volle Rechte und werden deshalb höher gehandelt.
Aber Vorsicht: Junge Aktien können auch ein Warnsignal sein. Wenn ein Unternehmen ständig neues Kapital braucht, läuft oft etwas schief.
Prüfe immer: Warum braucht das Unternehmen Geld? Für Wachstum? Gut. Zum Schulden tilgen? Warnsignal.
Aktienarten am Kürzel erkennen
An den Abkürzungen im Aktiennamen siehst du sofort, welche Art du kaufst.
Hier die wichtigsten Kürzel:
- Stammaktien: Kein Kürzel (z.B. "BMW", "Siemens")
- Vorzugsaktien: V, VA, Vz oder Vorz. (z.B. "Volkswagen Vz")
- Inhaberaktien: I, INH oder Inh.
- Namensaktien: N, NAM oder Nam.
Wenn du eine Aktie ohne Zusatz siehst, hast du meistens eine Stammaktie vor dir.
Die Kürzel können je nach Börse variieren. Aber das Prinzip ist überall gleich.
Marktkapitalisierung: Large-Cap, Mid-Cap, Small-Cap
Die Größe des Unternehmens bestimmt das Risiko. Je kleiner, desto höher die Chance auf große Gewinne. Und große Verluste.
Die Marktkapitalisierung ist der Gesamtwert eines Unternehmens an der Börse. Sie errechnet sich aus Aktienkurs mal Anzahl aller Aktien.
Die Einteilung (in Europa):
- Large-Cap: 10 bis 200 Milliarden Euro (z.B. Siemens, SAP, Allianz)
- Mid-Cap: 2 bis 10 Milliarden Euro
- Small-Cap: 300 Millionen bis 2 Milliarden Euro
- Micro-Cap: Unter 300 Millionen Euro
Je kleiner die Marktkapitalisierung, desto volatiler ist die Aktie. Small-Caps können in kurzer Zeit 50 % steigen. Oder 50 % fallen.
Large-Caps sind stabiler. Sie bewegen sich langsamer. Dafür ist das Risiko geringer.
Wichtig zu wissen: Die Grenzen variieren je nach Region. In den USA gelten andere Werte als in Europa. Im deutschen SDAX sind sogar Unternehmen bis 10 Milliarden Euro vertreten.
Growth-, Value-, Dividendenaktien: Investmentstile, keine rechtlichen Arten
Diese Kategorien beschreiben keine rechtliche Aktienart, sondern wie du investierst.
Growth-Aktien wachsen stark. Sie reinvestieren Gewinne ins Unternehmen statt sie auszuschütten. Beispiele: Tesla, Amazon, Netflix.
Value-Aktien sind unterbewertet. Sie haben ein solides Geschäft, wachsen aber langsamer. Oft zahlen sie stabile Dividenden. Beispiele: Allianz, BASF, Münchener Rück.
Dividendenaktien schütten regelmäßig Gewinne aus. Ideal für passives Einkommen. Beispiele: Coca-Cola, Procter & Gamble, Unilever.
Diese Einteilung hilft dir bei der Strategie. Aber rechtlich gesehen sind das alles normale Stamm- oder Vorzugsaktien.
So nutzt du Aktienarten in deiner Anlagestrategie
Jetzt wird es praktisch. Wie setzt du dieses Wissen konkret um?
Ich empfehle dir eine Strategie, die ich selbst seit Jahren verfolge und die sich in allen Marktphasen bewährt hat:
Die Kombination aus Kerndepot und Spieldepot.
Das Kerndepot: 90 % deines Vermögens auf Autopilot
Dein Kerndepot läuft automatisch. Du nutzt einen Robo Advisor oder investierst in breit gestreute ETFs.
Hier spielen Aktienarten keine Rolle.
Warum?
Weil dein Robo Advisor oder ETF hunderte oder tausende Aktien kauft. Der Algorithmus regelt automatisch, ob Stamm- oder Vorzugsaktie. Du musst dich nicht kümmern.
Deine einzige Aufgabe: Sparplan einrichten und laufen lassen.
Das Kerndepot sorgt für Sicherheit und Stabilität. Es ist deine Altersvorsorge. Dein Fundament.
Das Spieldepot: 10 % für Lernen und Spaß
Mit maximal 10 % deines Vermögens legst du ein Spieldepot bei einem Neobroker an.
Hier kannst du experimentieren. Einzelne Aktien kaufen. Verschiedene Arten testen. Lernen, wie die Börse funktioniert.
Warum die 90/10-Regel so wichtig ist
Ich habe in 25 Jahren Börsenerfahrung jeden Fehler gemacht, den man machen kann.
Ich habe zu viel in Einzelaktien investiert. Ich habe auf die falschen Unternehmen gesetzt. Ich habe Hebelprodukte genutzt und viel Geld verloren.
Was ich dabei gelernt habe: Emotionen sind der größte Feind.
Mit der 90/10-Regel bleibst du ruhig. Auch wenn die Märkte fallen. Warum? Weil 90 % deines Vermögens sicher angelegt sind. Regelbasiert. Emotionslos.
Die 10 % im Spieldepot kannst du verschmerzen. Du lernst. Du experimentierst. Aber du gefährdest nicht deine finanzielle Zukunft.
Aktienarten verstehen, entspannt investieren
Du musst kein Experten-Lexikon über Aktienarten im Kopf haben.
Aber die wichtigsten Unterschiede solltest du kennen:
- Stammaktien geben Stimmrecht, Vorzugsaktien zahlen mehr Dividende
- Inhaberaktien sind anonym, Namensaktien registrieren dich
- Stückaktien sind in Deutschland Standard
- Junge Aktien sind neu und günstiger, aber prüfe den Grund der Ausgabe
- An Kürzeln erkennst du sofort, welche Art du kaufst
Für deine Strategie bedeutet das:
Im Kerndepot (90 % deines Vermögens) spielen Aktienarten keine Rolle. Der Robo Advisor oder ETF regelt das automatisch.
Im Spieldepot (maximal 10 %) kannst du gezielt wählen. Vorzugsaktien für höhere Dividenden. Small-Caps für Lerneffekt. Aber niemals mehr als 10 %.
Ich habe in 54 Jahren viel Geld verloren, weil ich die Basics nicht kannte. Du musst diesen Fehler nicht wiederholen.
Verstehe die Grundlagen. Baue ein solides Kerndepot auf. Und wenn du experimentieren willst, tu es mit maximal 10 %.
So bleibst du ruhig. Auch wenn die Märkte verrückt spielen.
Und du lernst trotzdem, wie die Börse wirklich funktioniert.

