Deutsche haben mehr Angst vor Aktien als vor Spinnen.
Kein Witz.
Während Amerikaner, Schweden und Holländer ihr Geld für sich arbeiten lassen, horten Deutsche ihr Erspartes auf dem Girokonto.
Dort verliert es jeden Tag an Wert.
Warum?
Warum fürchten Deutsche Aktien so sehr, dass sie lieber garantierte Verluste in Kauf nehmen?
Eine Studie der Uni Frankfurt hat es herausgefunden.
Und die Ergebnisse sind so absurd, dass du nicht glauben wirst, was als "größtes Risiko" wahrgenommen wird.
Spoiler: Die echten Risiken sind ganz andere.
Das erfährst du in diesem Artikel:
- Was die 5 Hauptängste deutscher Anleger wirklich sind (Nr. 2 ist besonders verrückt)
- Warum die "sichere" Strategie der garantierte Weg in die Altersarmut ist
- Die simple Zwei-Depots-Strategie, die deine Angst in Gewinn verwandelt
Das Wichtigste in Kürze
- Warum die Angst vor Aktien oft unbegründet ist: Du fürchtest den Totalverlust, doch bei einem breit gestreuten Portfolio ist das historisch noch nie passiert. Auf deinem Girokonto verlierst du durch Inflation garantiert Geld.
- Du brauchst kein großes Vermögen: Bereits ab 25 Euro monatlich kannst du mit einem Sparplan in ein diversifiziertes Portfolio investieren und langfristig Vermögen aufbauen.
- Fehlendes Wissen ist keine Ausrede: Du musst kein Börsenexperte sein. Grundprinzipien wie Diversifikation sind leicht verständlich, und Robo Advisor nehmen dir komplexe Entscheidungen ab.
- Deine Nervosität entsteht durch falsches Verhalten: Wenn du täglich Kurse checkst, machst du dich selbst verrückt. Bei langfristigem Vermögen musst du nicht ständig hinschauen.
- Die Kerndepot-Spieldepot-Strategie macht den Unterschied: Teile dein Geld in 90 % Kerndepot (breit diversifiziert, Buy and Hold) und maximal 10 % Spieldepot (für Experimente). So nutzt du deine Psychologie zu deinem Vorteil.
Die 5 Hauptängste deutscher Anleger
Eine Studie der Universität Frankfurt aus dem Jahr 2019 hat sich genau diesem Phänomen gewidmet und die Hauptängste deutscher Anleger beim Geld anlegen untersucht.
Die Ergebnisse sind aufschlussreich und zeigen, dass viele Vorbehalte auf Missverständnissen basieren.
1. Angst vor großen Verlusten durch ökonomische Katastrophen
Die Angst: Ganz oben auf der Liste steht die Furcht vor einem Totalverlust durch wirtschaftliche Krisen.
Viele Deutsche assoziieren Aktien mit extremem Risiko und befürchten, ihr gesamtes Vermögen zu verlieren.
Die Realität: Bei Einzelaktien ist ein Totalverlust theoretisch möglich, wenn ein Unternehmen pleitegeht.
Investiert man jedoch in ein diversifiziertes Portfolio aus vielen verschiedenen Aktien, ist ein gleichzeitiger Wertverlust aller Positionen extrem unwahrscheinlich. Historisch gesehen ist so etwas noch nie passiert.
Der Denkfehler: Viele Menschen lassen große Geldbeträge jahrzehntelang auf dem Girokonto liegen, wo die Inflation das Vermögen kontinuierlich aufzehrt.
Paradoxerweise wird dieser garantierte Wertverlust als "sicher" empfunden, während die Schwankungen bei Aktien, bei langfristig positiver Entwicklung, als riskant gelten.
2. Das eigene Vermögen ist zu klein
Die Angst: "Aktien sind nur etwas für Reiche" – dieser Glaube ist in Deutschland weit verbreitet.
Viele Menschen denken, ihr Vermögen sei zu gering, um überhaupt in Aktien investieren zu können.
Die Realität: Diese Vorstellung ist völlig überholt. Heute kann man bereits mit Kleinstbeträgen in Aktien investieren. Sparpläne ermöglichen es, schon ab 25 Euro monatlich ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen.
Aktien sind längst kein Privileg der Reichen mehr.
Die gesellschaftliche Dimension: Aktien werden in Deutschland gesellschaftlich so positioniert, als wären sie ausschließlich für sehr vermögende Menschen gedacht.
Diese Wahrnehmung hält sich hartnäckig, obwohl die technischen und finanziellen Hürden praktisch nicht mehr existieren.
3. Fehlendes Wissen über Aktien
Die Angst: Viele Deutsche fühlen sich unsicher, weil sie glauben, nicht genug über Aktien zu wissen. Die Komplexität der Finanzmärkte wirkt abschreckend.
Die Realität: Während fundiertes Wissen sicherlich hilfreich ist, muss man kein Börsenexperte sein, um vernünftig zu investieren.
Grundlegende Prinzipien wie Diversifikation und langfristiges Denken sind leicht verständlich. Zudem gibt es heute zahlreiche Bildungsangebote und einfache Anlageprodukte wie Robo Advisor, die das Investieren erheblich vereinfachen.
Der Widerspruch: Interessanterweise hindert fehlendes Wissen dieselben Menschen nicht daran, in hochspekulative Kryptowährungen zu investieren, die noch viel schwerer zu verstehen sind.
4. Kein Vertrauen in die Aktienmärkte
Die Angst: Viele Deutsche haben grundsätzlich kein Vertrauen in die Finanzmärkte. Sie befürchten Manipulation, Betrug oder dass "die Kleinen" immer die Verlierer sind.
Die Realität: Märkte können tatsächlich vorübergehend von fundamentalen Werten abweichen, besonders in Phasen extremer Euphorie oder Panik.
Langfristig orientieren sich Aktienkurse jedoch an den realen Unternehmenswerten und wirtschaftlichen Fundamentaldaten.
Die psychologische Dimension: Kein Vertrauen in die Märkte zu haben, ist oft ein Zeichen für mangelndes Vertrauen in sich selbst und die eigenen Entscheidungsfähigkeiten.
Diese Selbstunsicherheit ist möglicherweise das größere Problem als die vermeintlichen Marktrisiken.
5. Nervosität bei Schwankungen und kleinen Verlusten
Die Angst: Viele Anleger nennen Nervosität als Grund, nicht in Aktien zu investieren.
Die ständige Beobachtung von Kursschwankungen und die emotionale Reaktion auf temporäre Verluste sind für sie unerträglich.
Die Realität: Nervosität entsteht vor allem durch zu häufiges Kontrollieren der Kursentwicklung.
Wer täglich auf sein Depot schaut und bei jeder Abwärtsbewegung in Panik gerät, schafft sich das Problem selbst.
Die Lösung: Bei langfristig angelegtem Vermögen ist es nicht notwendig, ständig auf die Kurse zu schauen.
Einmal richtig konstruiert, kann ein Portfolio über Jahre ruhen, ohne dass man hinschauen muss, genauso wie man bei einem Haus oder auf dem Girokonto nicht täglich den aktuellen Wert überprüft.
Die Psychologie hinter der Angst: Mentale Buchführung
Ein wichtiger psychologischer Mechanismus, der die Angst vor Aktien erklärt, ist die sogenannte mentale Buchführung (Mental Accounting). Menschen teilen ihr Vermögen gedanklich in verschiedene "Töpfe" ein:
- Alltag: Geld für tägliche Ausgaben
- Größere Anschaffungen: Auto, Möbel, Technik
- Urlaub und Freizeit: Reisen, Hobbys
- Sicherheit und Altersvorsorge: Hier landen traditionell Aktien
Das Problem: Im "Sicherheitstopf" werden Aktien als die riskanteste Position wahrgenommen. Diese mentale Einordnung verstärkt die Angst erheblich.
Wir behandeln Aktien gedanklich wie etwas, das auf keinen Fall Verluste machen darf, was unrealistisch ist und zu falschen Entscheidungen führt.
Die Lösung: Kerndepot und Spieldepot, so gelingt der Einstieg
Eine praktikable Lösung, um mit der Angst vor Aktien umzugehen und gleichzeitig vernünftig zu investieren, ist die Aufteilung in zwei getrennte Depots.
Diese Strategie nutzt die mentale Buchführung zu deinem Vorteil, anstatt gegen sie anzukämpfen.
Das Kerndepot: dein Fundament für die Zukunft (90 % des Anlagevolumens)
Das Kerndepot bildet das Herzstück deiner finanziellen Zukunft. Hier geht es um langfristigen Vermögensaufbau und eine solide Altersvorsorge, nicht um schnelle Gewinne oder spektakuläre Trades.
So funktioniert dein Kerndepot: Die Basis bildet ein breit diversifiziertes Weltportfolio mit globaler Streuung über Tausende Unternehmen und verschiedene Regionen. Eine ausgewogene Mischung aus Aktien und Anleihen wird entsprechend deiner persönlichen Risikobereitschaft zusammengestellt.
Die Strategie ist bewusst simpel: Buy and Hold, kaufen und liegen lassen, ohne emotionale Eingriffe bei jeder Marktbewegung. Der Kontrollaufwand ist minimal: Ein bis zwei Überprüfungen pro Jahr genügen völlig.
Der psychologische Clou dabei: Das Kerndepot ermöglicht dir rationales, emotionsloses Investieren. Die breite Streuung über Tausende Unternehmen und verschiedene Anlageklassen reduziert das Risiko auf ein Minimum, ganz anders als bei Einzelaktien.
Du musst nicht ständig nervös die Kurse checken oder bei jeder Schlagzeile in Panik geraten. Stattdessen "vergisst" du dieses Depot weitgehend und lässt es über Jahre und Jahrzehnte für dich arbeiten.
Genau diese emotionale Distanz ist der Schlüssel zum Erfolg.
So setzt du es um: Für dein Kerndepot eignen sich besonders Robo Advisor, die automatisch ein diversifiziertes Portfolio für dich zusammenstellen und kontinuierlich verwalten.
Du musst dich nicht selbst um die Auswahl einzelner Fonds oder das Rebalancing kümmern. In unserem Robo Advisor Vergleich findest du die besten Anbieter mit ihren Konditionen, Anlagestrategien und Mindestanlagesummen im direkten Vergleich.
Das Spieldepot: Raum für Experimente (maximal 10 % des Anlagevolumens)
Das Spieldepot ist dein persönlicher Freiraum für Experimente, Lernerfahrungen und das Befriedigen emotionaler Bedürfnisse. Hier darfst du aktiv werden, Trends folgen und eigene Ideen testen.
Was du im Spieldepot machen kannst: In diesem Depot investierst du in Einzelaktien nach persönlichem Interesse und eigener Recherche.
Du kannst risikoreichere Investments und spekulative Positionen eingehen, aktives Trading ausprobieren, wenn du es möchtest, und hast Platz für Trends, persönliche Überzeugungen oder auch mal einen "heißen Tipp".
Wichtig ist nur: Es bleibt bei maximal 10 Prozent deines Gesamtvermögens.
Warum das psychologisch clever ist: Dieses Geld betrachtest du mental als bereits "ausgegeben", ähnlich wie Geld für ein Hobby oder Entertainment. Verluste schmerzen dadurch deutlich weniger, weil du von vornherein mit höheren Risiken kalkulierst.
Das nimmt den Druck raus und macht Fehler erträglich. Gleichzeitig sammelst du wertvolle Lernerfahrungen über Märkte, Unternehmensanalysen und vor allem über dein eigenes Verhalten in verschiedenen Marktsituationen, alles ohne dein Gesamtvermögen zu gefährden.
Die richtige Plattform finden: Für dein Spieldepot benötigst du einen kostengünstigen Broker mit niedrigen Ordergebühren, da du hier möglicherweise häufiger handelst.
Die modernen Neobroker bieten oft kostenlose Sparpläne und günstige Einzelorders. Unser Neobroker-Vergleich zeigt dir, welche Anbieter sich am besten für aktives Trading eignen und wo du die günstigsten Konditionen erhältst.
Warum die Kerndepot-Spieldepot-Strategie funktioniert
Diese Aufteilung berücksichtigt die menschliche Psychologie und macht sie zu deinem Verbündeten:
1. Emotionale Entspannung: Das Kerndepot empfindest du als "sicher angelegt", nicht weil es keine Schwankungen hätte, sondern weil die breite Diversifikation und der lange Anlagehorizont echte Sicherheit bieten. Die Angst vor Verlusten wird rational beherrschbar.
2. Spieltrieb und Neugier befriedigt: Das Spieldepot erlaubt dir risikoreichere Experimente und aktives Handeln, ohne dass du dich schuldig fühlen musst. Du kannst Trends folgen, eigene Ideen testen und die Spannung des Aktienmarktes erleben, alles in einem kontrollierten Rahmen.
3. Wertvoller Lerneffekt: Im Spieldepot sammelst du praktische Erfahrungen mit Einzelaktien, Marktmechanismen und vor allem deiner eigenen emotionalen Reaktion auf Gewinne und Verluste. Diese Erkenntnisse können langfristig auch dein Verständnis für das Kerndepot verbessern.
4. Disziplin durch Trennung: Die klare Abgrenzung verhindert, dass du aus Langeweile, Nervosität oder aufgrund von Medienberichten an deinem langfristigen Kerndepot herumspielst. Jedes Depot hat seine eigene Rolle – und du hältst dich daran.
Fazit: Angst überwinden durch intelligente Struktur
Die Angst der Deutschen vor Aktien basiert weniger auf objektiven Risiken als vielmehr auf psychologischen Faktoren, Missverständnissen und mangelnder finanzieller Bildung. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Ansatz lassen sich diese Hürden überwinden.
Die Kerndepot-Spieldepot-Strategie akzeptiert unsere psychologischen Eigenheiten, anstatt gegen sie anzukämpfen.
Sie ermöglicht nachhaltiges Investieren auch für Menschen, die sich bisher nicht an Aktien herangetraut haben. Das Kerndepot sorgt für soliden Vermögensaufbau, während das Spieldepot Raum für Lernen und Experimentieren bietet, ohne das große Ganze zu gefährden.
Der erste Schritt ist oft der schwerste. Aber mit einem diversifizierten Portfolio, realistischen Erwartungen und der richtigen mentalen Einstellung wird aus der Angst vor Aktien eine rationale, entspannte Investmentstrategie.
Deine finanzielle Zukunft wird es dir danken.

