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Sell in May

Eine ausgediente Börsenweisheit oder praktische Anlagestrategie?

Autor: Michael Beutel  Update: 28. Mai 2024

Jedes Jahr, wenn der Mai naht, erinnern sich viele Anleger an eine alte Börsenweisheit: "Sell in May and go away."

Dieser Spruch empfiehlt, Aktien im Mai zu verkaufen und erst im Herbst wieder in den Markt einzusteigen.

Aber wie viel Wahrheit steckt in diesem Börsenspruch?

Ist diese Strategie in der heutigen global vernetzten Finanzwelt noch relevant?

Was bedeutet "Sell in May and go away"?

Solltest du im Mai wirklich Kasse machen? Eine der gängigsten Börsenweisheiten lautet: "Sell in May and go away". Aber ist es wirklich sinnvoll, im Mai Aktien zu verkaufen und später wieder an die Börsen zurückzukehren?

Ein Börsenjahr ist zweigeteilt: Von Oktober bis zum Frühjahr laufen die Börsen im Durchschnitt besser als von Mai bis September. Das belegen die Statistiken. Diese saisonale Anomalie hat zur Entstehung der Weisheit "Sell in May and go away" geführt – verkaufe deine Aktien im Mai und halte dich bis September von der Börse fern.

Der Zusatz "...and come back in September" rät dir dazu, im September wieder zu investieren, da dieser Monat oft den Beginn einer positiven Marktentwicklung markiert.

Woher stammt die alte Börsenregel?

"Sell in May and go away" kommt ursprünglich aus England, genauer gesagt aus dem Finanzviertel Londons. Der ursprüngliche Ausdruck lautete "Sell in May and go away, come back on St. Leger’s Day".

St. Leger’s Day ist ein bekanntes Pferderennen, das im September stattfindet. Die Idee dahinter war, dass britische Investoren ihre Aktien im Mai verkaufen und dann den Sommer über die Füße hochlegen, bevor sie im Herbst nach dem Rennen wieder einsteigen.

Auch in den USA haben einige Anleger eine ähnliche Strategie übernommen. Sie meiden den Aktienmarkt zwischen dem Memorial Day im Mai und dem Labor Day im September.

Diese Regel basiert auf der Beobachtung, dass die Sommermonate tendenziell schwächere Renditen bringen.

Ist die Börsenweisheit heute noch relevant? Eine Statistik verrät es.

Du fragst dich bestimmt, ob die alte Börsenweisheit "Sell in May and go away" heute noch relevant ist. Lass uns einen genaueren Blick auf die Daten werfen, um diese Frage zu beantworten.

Über die Jahre haben viele Studien versucht, die Gültigkeit dieser Regel zu überprüfen. Einige Statistiken zeigen, dass die Börsenrenditen zwischen Mai und September tatsächlich niedriger sein können als in den restlichen Monaten des Jahres.

Doch die Realität ist komplexer.

Hier ist eine aktuelle Statistik von M.M.Warburg & CO, die die Verlustwahrscheinlichkeiten und die durchschnittliche Wertentwicklung des DAX und S&P 500 Index für den Zeitraum von Januar 1980 bis Dezember 2023 zeigt:

Monat

DAX 

Verlust­wahr­schein­lichkeit

S&P 

Verlust­wahr­schein­lichkeit

DAX 

Wert­entwicklung

S&P 

Wert­entwicklung

Januar

43 %

41 %

0,4 %

1,0 %

Februar

45 %

41 %

0,9 %

0,1 %

März

41 %

36 %

1,1 %

2,0 %

April

32 %

30 %

2,6 %

1,5 %

Mai

42 %

30 %

0,4 %

0,9 %

Juni

41 %

37 %

0,7 %

0,1 %

Juli

37 %

47 %

1,3 %

0,5 %

August

51 %

42 %

-1,2 %

0,1 %

September

59 %

55 %

-1,5 %

-0,6 %

Oktober

32 %

36 %

1,5 %

1,2 %

November

34 %

27 %

2,0 %

1,5 %

Dezember

30 %

27 %

2,0 %

1,3 %

Monat

DAX 

Verlust­wahr­schein­lichkeit

S&P 

Verlust­wahr­schein­lichkeit

DAX 

Wert­entwic­klung

S&P 

Wert­entwic­klung

Jan.

43 %

41 %

0,4 %

1,0 %

Feb.

45 %

41 %

0,9 %

0,1 %

März

41 %

36 %

1,1 %

2,0 %

April

32 %

30 %

2,6 %

1,5 %

Mai

42 %

30 %

0,4 %

0,9 %

Juni

41 %

37 %

0,7 %

0,1 %

Juli

37 %

47 %

1,3 %

0,5 %

Aug.

51 %

42 %

-1,2 %

0,1 %

Sept.

59 %

55 %

-1,5 %

-0,6 %

Okt.

32 %

36 %

1,5 %

1,2 %

Nov.

34 %

27 %

2,0 %

1,5 %

Dez.

30 %

27 %

2,0 %

1,3 %

Die Tabelle zeigt zwei wichtige Informationen für jeden Monat:

Verlustwahrscheinlichkeit: Dies ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktienkurse in diesem Monat fallen.

Durchschnittliche Wertentwicklung: Dies ist die durchschnittliche Veränderung der Aktienkurse in diesem Monat.

Was bedeuten diese Zahlen?

  1. Der Mai ist kein schlechter Monat: Für den S&P 500 ist der Mai einer der besten Monate. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktienkurse im Mai fallen, liegt bei nur 30 %. Dies ist die viertniedrigste Verlustwahrscheinlichkeit im Jahr. Beim DAX ist die
  2. Verlustwahrscheinlichkeit im Mai etwas höher, aber immer noch im mittleren Bereich.
    Positive Renditen: Beide Indizes zeigen im Mai eine positive durchschnittliche Wertentwicklung. Für den S&P 500 liegt diese bei 0,9 % und für den DAX bei 0,4 %.
  3. Beste Monate: Die besten Monate für Aktien sind April, November und Dezember, da diese Monate die niedrigsten Verlustwahrscheinlichkeiten und die höchsten durchschnittlichen Renditen haben.
  4. Schwächste Monate: Die Monate August und September sind die schwächsten. Hier sind die Verlustwahrscheinlichkeiten am höchsten und die durchschnittlichen Renditen am niedrigsten.

Diese Statistik zeigt, dass der Mai nicht unbedingt ein schlechter Monat für Investitionen ist. Insbesondere beim S&P 500 ist die Verlustwahrscheinlichkeit im Mai relativ niedrig und die durchschnittliche Wertentwicklung positiv.

Langfristige Investitionsstrategien wie Buy-and-Hold könnten daher bessere Ergebnisse liefern, da sie die Schwankungen der Märkte ausgleichen und von langfristigem Wachstum profitieren.

3 Gründe, warum "Sell in May" heute an Bedeutung verloren hat

Viele Fehlinterpretationen bezüglich der "Sell in May and go away"-Strategie könnten auf Verhaltensverzerrungen beruhen.

Die Verhaltensökonomie zeigt, dass Investoren negative Renditen stärker bewerten als positive und sich eher an negative Ergebnisse erinnern.

Grund #1: Digitalisierung

Heute ist der Zugang zu den Finanzmärkten viel einfacher und kann jederzeit und überall erfolgen. Du kannst rund um die Uhr handeln, unabhängig von den Öffnungszeiten der Börsen.

Diese ständige Verfügbarkeit hat die saisonalen Muster, die früher deutlicher erkennbar waren, abgeschwächt.

Grund #2: Produktvielfalt

Es gibt eine größere Vielfalt an Anlageprodukten als je zuvor. Dadurch hast du als Investor zusätzliche Möglichkeiten, deine Portfolios zu diversifizieren und saisonale Schwankungen besser zu managen.

Dies mildert die Effekte traditioneller saisonaler Muster erheblich.

Grund #3: Globalisierung

Die Finanzmärkte sind heutzutage global vernetzt und agieren rund um die Uhr. Veränderungen in einer Zeitzone können sofortige Auswirkungen auf andere Märkte haben.

Diese ständige Interaktion und die Präsenz von Akteuren aus verschiedenen Zeitzonen haben die alten saisonalen Muster überlagert.

Durch die Globalisierung haben sich die Handelsdynamiken stark verändert, was die historischen saisonalen Effekte weniger vorhersehbar und weniger relevant gemacht hat.

Alternative Anlagestrategien: Warum Robo Advisor sich nicht an saisonale Regeln halten

Robo Advisor bieten dir eine moderne und durchdachte Art der Geldanlage, die weit über veraltete saisonale Regeln, wie "Sell in May and go away" hinausgeht.

Jeder Robo-Advisor verfolgt sein eigenes Anlagekonzept, das auf die individuellen Bedürfnisse der Anleger abgestimmt ist. Dabei wird in der Regel auf ein wissenschaftlich fundiertes Portfolio mit einer weltweit breiten Streuung aus Aktien- und Anleihen gesetzt. Diese Diversifikation minimiert das Risiko und maximiert die Renditen, indem sie die Auswirkungen einzelner Marktschwankungen reduziert.

Hinter jedem erfolgreichen Robo Advisor stehen erfahrene Finanzexperten, die die Anlagestrategie entwickeln und überwachen.

Diese Experten wählen die passenden ETFs und Fonds aus, um sicherzustellen, dass dein Portfolio optimal diversifiziert und auf deine Bedürfnisse abgestimmt ist.

Insgesamt bieten Robo Advisors also eine überlegene Anlagestrategie im Vergleich zu saisonalen Regeln wie "Sell in May and go away".

Fazit: Sollte man im Mai wirklich Kasse machen?

"Sell in May and go away" ist eine alte Börsenweisheit, die auf historischen saisonalen Mustern basiert. In der heutigen global vernetzten und technologisch fortgeschrittenen Finanzwelt hat diese Regel jedoch an Relevanz verloren.

Moderne Anlagestrategien, wie sie Robo Advisor nutzen, sind oft sinnvoller und bieten langfristig bessere Renditen. In unserem Robo Advisor Vergleich haben wir die besten Robo Advisor für dich verglichen.

Über den Autor

Michael Beutel ist Gründer von Geldanlage-digital und seit über 20 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Als Dipl.-Volksw. / Dipl.-Kfm. sammelte er langjährige Erfahrungen im Finanzbereich und im Aufbau digitaler Geschäftsmodelle. Mit der Plattform Geldanlage-digital bringt er Transparenz in den Markt der digitalen Geldanlage und unterstützt Privatanleger dabei, den richtigen Robo Advisor zu finden.

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