Robo Advisor Kosten

Erfahrene Börsianer wissen: “Kosten sind ein Rendite-Killer”.

Warum? Weil niedrige Kosten dank der Magie des Zinseszinses schon in wenigen Jahren einen gewaltigen Unterschied in der Wertentwicklung machen.

Robo Advisor arbeiteten digital und effizient, verzichten auf teure Filialen und sind damit deutlich günstiger als das Angebot einer klassischen Filialbank.

Doch auch bei den Gebühren der Robo Advisor gibt es deutliche Unterschiede. Der folgende Beitrag macht die Robo-Advisor-Kosten untereinander transparent und vergleichbar.

Michael Beutel

Autor: Michael Beutel

Aktualisiert am: 01.06.2020

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Geringe Kosten sind das A und O einer erfolgreichen Geldanlage

Um zu veranschaulichen, wie vermeintlich geringe Unterschiede der Gebühren einen großen Teil deiner Ersparnisse auffressen, schauen wir uns folgendes vereinfachtes Beispiel an.


Stell dir vor, du investierst einmalig 50.000 Euro und monatlich 300 Euro für deine Altersvorsorge. Die angenommenen Rendite beträgt 7 % pro Jahr, was ungefähr der historischen Rendite von Aktien entspricht.


Du hast die Wahl zwischen:


1. Einem Standard-Mischfonds aus der Bankfiliale von nebenan, dessen Kosten bei 2,5 % p.a. liegen.


oder


2. Einem Robo Advisor, bei dem die jährlichen Kosten 1,0 % betragen.


Der Unterschied: “Nur” 1,5 % pro Jahr. 


Das mag auf den ersten Blick nach nicht viel klingen. 


Das Ergebnis nach 30 Jahren, sähe wie folgt aus:


Mit einem Robo-Advisor hättest du am Ende 573.053 Euro. Wenn du stattdessen in den Mischfonds investierst, kommst du auf 400.316 Euro.


Durch den Einsatz eines (teuren) Mischfonds verlierst du über 170.000 Euro!


Das würde wahrscheinlich bedeuten, dass du ein paar Jahre länger auf deine Rente warten müsstest. 


Der Grund, warum aus einem solch kleinen Kostenunterschied am Ende eine so große Summe werden kann, heißt “Zinseszinseffekt”. Denn die jährliche Kostendifferenz bleibt dir erhalten und wächst ebenfalls mit 7% pro Jahr mit.


Wie sich die Kosten im Laufe der Zeit zu stattlichen Summen auftürmen, zeigt die folgende Tabelle:

Jahre ab heute

Mischfonds

Robo Advisor

Differenz

5 Jahre

82.028 €

87.640 €

 5.612 €

10 Jahre

121.694 €

137.872 €

16.178 €

20 Jahre

231.657 €

294.362

62.705 €

30 Jahre

400.316 €

573.053 €

172.737 €

Zugegeben: Das Beispiel ist ziemlich extrem. Es gibt deutlich günstigere aktive Fonds am Markt und auch Robo-Advisor-Anbieter, die deutlich höhere Gebühren verlangen, wie du gleich sehen wirst.

Trotzdem zeigt es deutlich, dass es sich lohnt, bei den Kosten einer Geldanlage genauer hinzuschauen. Denn die zukünftige Performance deiner Geldanlage ist immer unsicher, die Kosten dagegen immer vorher bekannt.

Schauen wir uns einmal an, wie sich die Gebühren eines Robo Advisors typischerweise zusammensetzen.

Welche Kosten fallen bei einem Robo Advisor an?

Die Preismodelle der Robo Advisor sind gegenüber einer klassischen Anlage in einer Filialbank sehr transparent. Die Robo-Advisor-Gebühren bestehen im Wesentlichen aus folgenden Bausteinen:


  1. Servicegebühr
  2. Laufende Drittkosten (z.B. für Fonds und ETFs)
  3. Spread-Kosten oder ATCs
  4. Erfolgsabhängige Gebühr

1. Die Servicegebühr

Fast alle Robo Advisor verlangen eine jährliche Servicegebühr, die sich an der Höhe deiner Anlagesumme orientiert. Sie deckt dabei alle Kosten ab, die beim Robo Advisor bzw. der Partnerbank anfallen.

Die Servicegebühr umfasst folgende Leistungen:


  • Komplette Vermögensverwaltung
  • Kontoführung der Partnerbank
  • Depotführung der Partnerbank
  • Wertpapiertransaktionen der Partnerbank
  • Überwachung der Geldanlage (Rebalancing)
  • Reporting
  • Kundenservice


Die Abrechnung der Servicegebühr erfolgt monatlich, quartalsweise oder einmal im Jahr. Sie wird entweder von deinem Verrechnungskonto bei der Partnerbank abgebucht oder durch den Verkauf von Fondsanteilen dem Fondsvermögen entnommen.

Der Durchschnitt der jährlichen Servicegebühren aller 34 von uns getrackten Robo Advisor schwankt abhängig von der Anlagesumme zwischen 0,78 % bis zu 0,81 %.

Investment

geringste Kosten

Ø Kosten

höchste Kosten

10.000 €

0,33 %

0,81 %

1,49 %

50.000 €

0,33 %

0,82 %

1,50 %

100.000 €

0,33 %

0,78 %

1,49 %

2. Kosten der verwendeten Produkte

Zur Servicegebühr kommen die Gebühren für die Verwaltung und den Betrieb der vom Robo Advisor eingesetzten Produkte hinzu. Hierzu zählen beispielsweise ETF-Gebühren, Fondsgebühren oder Gebühren für andere Finanzinstrumente.

Die Kosten entstehen für die Verwaltung, das Management bzw. Kosten für den Vertrieb und Wirtschaftsprüfer und werden nach der Ermittlung direkt von der jeweiligen Gesellschaft aus dem von ihr verwalteten Vermögen entnommen.

Da auch diese Kosten langfristig einen wichtigen Einfluss auf deinen Anlageerfolg haben, versuchen die Robo Advisor in der Regel kostengünstige Fonds bzw. ETFs oder andere Finanzprodukte auszuwählen.

Auf die Höhe der Kosten des einzelnen Wertpapiers hat der Robo Advisor jedoch keinen Einfluß. Er ist weder an den Kosten beteiligt, noch verdient er daran etwas.

Wichtig ist auch zu wissen, dass diese Kosten ebenfalls anfallen, wenn du selbständig mit Aktien, Fonds bzw. ETFs handelst.

Wie hoch die Produktkosten genau sind, hängt von den einzelnen Wertpapieren im Robo-Depot ab. Sie belaufen sich bei ETFs auf etwa 0,25 % pro Jahr. Aktiv gemanagte Fonds veranschlagen höhere Gebühren von teilweise über 1 %.

In der folgenden Tabelle sind die durchschnittlichen Produktkosten der Robo Advisior angegeben:

Investment

geringste Kosten

Ø Kosten

höchste Kosten

10.000 €

0,13 %

0,36 %

1,58 %

50.000 €

0,13 %

0,37 %

1,58 %

100.000 €

0,13 %

0,37 %

1,58 %

3. Transaktionskosten

Handelt der Robo Advisor Wertpapiere in deinem Depot, entstehen Transaktionskosten. Diese Kosten fallen bei jedem Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren aufgrund der Geld-Brief-Spanne an.

Diese Differenz wird als “Spread” bezeichnet. Da die Anteile irgendwann wieder verkauft werden, ist die Differenz eine indirekte Gebühr, die gezahlt werden muss und nicht umgangen werden kann.

Manche Robo Advisor handeln Fonds zum NAV (Nettoinventarwert des Fonds). Hier besteht kein Spread, es wird jedoch ein Transaktionsentgelt, die sogenannten Additional Trading Costs (kurz ATCs), fällig. Während sich die Spreads an der Börse sekündlich ändern, werden die ATCs im Vorfeld festgelegt.

Welches Modell letztendlich die geringeren Kosten aufweist, ist aufgrund der sich ändernden Variablen schwierig vorhersehbar. Am Ende weisen die ATCs nur geringe Unterschiede zu den Spreads an der Börse auf.

4. Erfolgsabhängige Gebühr / Performancegebühr

Eine Erfolgsbeteiligung, auch Performance-Fee oder Gewinnbeteiligung genannt, ist eine Gebühr, die abhängig von der jeweiligen Wertentwicklung erhoben wird.

Derzeit wird die Gebühr nur von zwei Robo Advisor, Solidvest und Estably, erhoben. Beide Anbieter berechnen die Erfolgsbeteiligung nach dem so genannten „High Water Mark-Prinzip”.

Wird am Jahresende nach dem Abzug der Servicegebühr ein Gewinn gegenüber dem historischen Jahreshöchststand erzielt, so erhalten die Anbieter 10 % dieser Wertsteigerung. Sind Verluste angefallen, müssen diese erst aufgeholt werden, bevor neue Gebühren erhoben werden.

Häufige Fragen

Warum ist ein Robo Advisor günstiger als andere Anlagelösungen?

Robo Advisor arbeiteten digital, effizient und verzichten auf teure Filialen. Viele Prozesse sind gegenüber traditionellen Banken automatisiert und bringen Kostenvorteile mit sich. Diese geben die Robo Advisor weiter und sind deswegen oftmals günstiger als andere Anlagelösungen.

Wie werden die Robo-Advisor-Gebühren beglichen?

Die Gebühren werden ja nach Anbieter monatlich, quartalsweise oder jährlich direkt mit deinem Verrechnungskonto verrechnet. Die Fondskosten werden von der jeweiligen Fondsgesellschaft verrechnet.

Entstehen Kosten bei der Kündigung eines Robo Advisor?

Nein, bei einer Kündigung entstehen dir keine zusätzlichen Kosten.

Was kosten weitere Ein- oder Auszahlungen?

Bei Ein- oder Auszahlungen fallen bei allen Anbietern keine zusätzlichen Gebühren an.

Erhalten die Robo Advisor Rückvergütungen (Kick-Back-Zahlungen), Provisionen oder sonstige finanzielle Zuwendungen von den Produktanbietern?

In der Regel werden finanzielle Zuwendungen - sofern sie überhaupt anfallen - von den Robo Advisor nicht einbehalten, sondern an ihre Kunden weitergereicht.

Wie oft fallen ATCs oder Spread-Kosten an?

Transaktionskosten fallen beim Handel mit Wertpapieren an. Je öfter Anpassungen in deinem Depot vorgenommen werden, umso häufiger fallen Transaktionskosten an. Generell versuchen die Robo Advisor die Transaktionskosten so gering wie möglich zu halten.

Wo sehe ich genau, wann welche Kosten anfallen?

Je nach Partnerbank erhältst du einmal im Quartal bzw. Jahr eine detaillierte Kostenaufstellung für den Handel und die Verwahrung der Fonds aus deinem Depot.

Fazit

Die Wertentwicklung einer Anlage hängt entscheidend von ihren Kosten ab.

Dank digitaler Technologie und schlanker Strukturen haben Robo Advisor niedrige Verwaltungskosten. Trotzdem gibt es gewaltige Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern.

Die jährlichen Servicegebühren schwanken zwischen 0,33 % bis zu 1,50 %. Auch die Produktkosten unterscheiden sich deutlich.

Es ist sinnvoll auf die Kosten zu achten, denn die Robo-Advisor-Gebühren werden jedes Jahr erhoben und wachsen mit der Höhe deines Vermögens.

Doch Achtung: Bei der Suche nach dem richtigen Robo Advisor sollten Kosten nicht das einzige Auswahlkriterium sein. Das Angebot, die Performance, die Mindestanlage und viele weitere Punkte sind ebenso wichtig.

Über den Autor

Michael Beutel ist Gründer von Geldanlage-digital und seit über 20 Jahren leidenschaftlicher Börsianer.


Als Dipl.-Volksw. / Dipl.-Kfm. sammelte er langjährige Erfahrungen im Finanzbereich und im Aufbau digitaler Geschäftsmodelle.


Mit der Plattform Geldanlage-digital bringt er Transparenz in den Markt der digitalen Geldanlage und unterstützt Privatanleger dabei, den richtigen Robo Advisor zu finden.

Michael Beutel
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