Du willst flexibel an dein Geld kommen, ohne Kündigungsfristen, ohne Rücknahmegebühren, ohne nervige Beratergespräche. Bei einem Robo Advisor ist das Standard.
Du kannst jederzeit auszahlen, teilweise oder komplett. Ohne Angabe von Gründen. Die einzigen Kosten sind die normalen Spreads beim Verkauf der ETFs. Wie flexibel die Einzahlungen funktionieren, erfährst du auf unserer separaten Seite.
Aber diese Flexibilität kann auch zur Falle werden. In diesem Artikel zeige ich dir, wie Auszahlungen funktionieren, welche Anbieter einen Auszahlplan bieten und welche Fehler du vermeiden solltest.
Auszahlungen funktionieren schnell und unkompliziert
Du loggst dich ein, öffnest deine Anlage und wählst entweder eine einmalige Auszahlung oder richtest einen Auszahlplan ein. Bei einer einmaligen Auszahlung gibst du den Betrag ein, der Robo Advisor verkauft die entsprechenden Wertpapiere und überweist dir das Geld.
Auszahlungen gehen immer auf dein Referenzkonto. Das ist bei 91% aller Anbieter (30 von 33) Pflicht, ein Sicherheitsmerkmal, kein Nachteil.
Die Dauer variiert je nach Anbieter. Bei klassischen ETF-Portfolios dauert es 3 bis 4 Bankarbeitstage. Bei komplexeren Strategien bis zu einer Woche.
Aus eigener Erfahrung: In den meisten Fällen war das Geld nach 3 bis 5 Werktagen da. Plane für wichtige Zahlungen lieber ein paar Tage Puffer ein.
Keine Kündigungsfrist, keine Mindesthaltedauer
Kein einziger der 33 Robo Advisor im Vergleich hat eine Kündigungsfrist oder Mindesthaltedauer. Null von 33. Das ist kein Zufall, sondern Branchenstandard.
Bei vielen Bankfonds oder geschlossenen Investmentprodukten gibt es Kündigungsfristen von mehreren Monaten. Manche verlangen Rücknahmegebühren oder Strafzinsen bei vorzeitigem Ausstieg.
Beim Robo Advisor nichts davon. Die einzigen Kosten sind die normalen Spreads beim ETF-Verkauf (meist wenige Basispunkte).
Für jeden, der sich fragt „Was, wenn ich das Geld doch brauche?": Du sitzt nie fest. Das Geld bleibt liquide.
Mindestbeträge: Was du bei Teilauszahlungen beachten musst
Jeder Anbieter hat eine Mindestanlagesumme. Durch eine Auszahlung darfst du diese Grenze nicht unterschreiten. Willst du mehr rausholen, musst du das komplette Depot auflösen.
Die Spanne ist breit. Fünf Anbieter verlangen nur 1 Euro Mindestanlage, sechs Anbieter mindestens 10.000 Euro.
Anlagesumme | geringste Kosten | Ø Kosten |
|---|---|---|
Ab 1 € | Evergreen, quirion, Scalable Capital, Ginmon, Peaks | 1 € |
10 bis 50 € | Raisin Invest (25 €), ING (20 €), Whitebox (25 €), Mintos (50 €) | 10 bis 50 € |
200 bis 500 € | bevestor (500 €), growney (500 €), Fidelity WE (500 €), ROBIN (500 €) | 200 bis 500 € |
750 bis 1.000 € | 750 bis 1.000 € | |
Premium | ab 10.000 € |
Beispiel: Du hast 5.000 Euro bei growney im Depot. Die Mindestanlage liegt bei 500 Euro. Du kannst maximal 4.500 Euro auszahlen. Willst du mehr, musst du alles liquidieren.
Bei Evergreen oder quirion (Mindestanlage 1 €) hast du dieses Problem praktisch nicht. Bei Solidvest (25.000 €) oder LIQID (100.000 €) ist die Schwelle deutlich höher.
Auszahlpläne: Wer bietet einen, wer nicht?
Ein Auszahlplan zahlt dir monatlich einen festen Betrag aus. Ideal für die Rente, als Ergänzung zum Gehalt oder zum systematischen Entsparen. Aber: Nicht jeder Anbieter hat einen.
Exakt 16 von 33 Robo Advisor (48 %) bieten einen formalen Auszahlplan. Die andere Hälfte nicht.
Anbieter MIT Auszahlplan (16)
Anbieter | Besonderheit |
|---|---|
„ETF-Rente“ (Ansparen und Auszahlen als benanntes Lifecycle-Produkt) | |
Ab 1 € Mindestanlage, volle Flexibilität | |
Auszahlplan ab 2.000 € Depotbestand, ab 50 €/Monat | |
Standard-Auszahlplan | |
Flexible Entnahmepläne | |
Entnahmeplan als Einmalbetrag oder monatlich | |
Standard-Auszahlplan | |
Auszahlplan trotz Premium-Positionierung | |
Warburg Navigator | „Auszahlungs-Lotse“ (benanntes Entnahme-Feature) |
investify | Kostenloser Auszahlplan |
ING | Vollständige Entnahmeoptionen |
fintego | Standard-Auszahlplan |
Gerd Kommer Capital | Standard-Auszahlplan |
VisualVest | Standard-Auszahlplan |
Whitebox | Standard-Auszahlplan |
Openbank | Standard-Auszahlplan |
Anbieter OHNE Auszahlplan (17)
Bei diesen Anbietern kannst du jederzeit manuell auszahlen, aber keinen automatischen monatlichen Auszahlplan einrichten:
cominvest, Consorsbank, Estably, Fidelity WE, Flossbach von Storch ONE, Ginmon, inno invest, LIQID, Mintos, MorgenFund, Peaks, Raisin Invest, Revolut, Robin, Smavesto, Solidvest, WillBe
Das heißt nicht, dass du bei diesen Anbietern nicht an dein Geld kommst. Jederzeitige Auszahlung ist bei allen 33 Standard. Dir fehlt nur der Automatismus.
quirion ETF-Rente und Warburg Auszahlungs-Lotse
Zwei Anbieter haben ihren Auszahlplan bewusst als eigenständiges Produkt positioniert.
quirion nennt es ETF-Rente: Ansparen und Auszahlen in einem Lifecycle-Konzept. Du baust über Jahre Vermögen auf und schaltest irgendwann auf automatische Entnahme um. Kein anderer Anbieter benennt den Übergang von Anspar- zu Entnahmephase so konkret.
Warburg Navigator nennt es Auszahlungs-Lotse: Hier bekommst du nicht nur einen simplen monatlichen Betrag, sondern eine strukturierte Entnahme-Begleitung durch eine Privatbank.
Für jeden, der in 15 bis 20 Jahren entnehmen will, macht das den Unterschied zwischen „es gibt eine Option“ und „wir haben dafür eine Lösung“.
So richtest du einen Auszahlplan ein
Stell dir vor, du bist 60 und hast 300.000 Euro im Robo Advisor. Du willst nicht mehr Vollzeit arbeiten, aber komplett aufhören auch nicht.
Du richtest einen Auszahlplan über 1.500 Euro pro Monat ein. Der Robo Advisor verkauft automatisch die nötigen Wertpapiere und überweist dir das Geld.
Die Einrichtung ist einfach: Betrag eingeben, optional Start- und Enddatum wählen, fertig. Manche Anbieter zeigen dir sogar, wie lange dein Depot bei dieser Rate reicht.
Der große Vorteil: Auch während der Auszahlphase bleibt dein Geld investiert. Anders als bei einem Bankauszahlplan, wo das Geld auf einem unverzinsten Konto liegt.
Du kannst die Höhe jederzeit anpassen, pausieren oder komplett stoppen. Ohne Gebühren, ohne Fristen. Änderung gilt ab dem nächsten Monat.
Wenn dein Depotbestand zu niedrig wird, stoppt der Auszahlplan automatisch. Der Robo Advisor schützt dich davor, mehr zu entnehmen als vorhanden ist.
Was beim Rebalancing passiert
Bei jeder Auszahlung verkauft der Robo Advisor intelligent. Er prüft zuerst, welche Positionen übergewichtet sind, und verkauft diese zuerst.
Beispiel: Deine Strategie sieht 60 % Aktien und 40 % Anleihen vor. Weil Aktien gut gelaufen sind, liegt dein Portfolio bei 65/35. Bei der Auszahlung werden bevorzugt Aktien-ETFs verkauft, um wieder auf 60/40 zu kommen.
Du verkaufst automatisch die Gewinner und hältst die Verlierer. Genau das Gegenteil von dem, was die meisten Privatanleger machen. Emotionsfreies, professionelles Handeln.
Liquidation: Komplettes Depot auflösen
Vielleicht willst du komplett aussteigen. Geld für ein Haus, Umzug oder du bist unzufrieden mit dem Anbieter.
Du gehst in die Detailansicht, wählst Auszahlung und schiebst den Regler auf 100 %. Der Robo Advisor verkauft alles und überweist dir den Betrag. Dauert 3 bis 5 Werktage.
Bei den meisten Anbietern kannst du keinen leeren Account haben. Wenn du deine letzte Anlage liquidierst, musst du gleichzeitig das Konto kündigen.
Achtung bei Lastschriften: Wenn du in den letzten 8 Wochen per Lastschrift eingezahlt hast, kann die Auszahlung dieser Beträge blockiert sein. Sicherheitsmaßnahme gegen Betrug.
Steuern bei Auszahlungen
Jede Auszahlung ist ein Verkauf von Wertpapieren. Gewinne werden mit der Abgeltungssteuer belastet (25 % plus Soli, eventuell Kirchensteuer). Der Robo Advisor führt die Steuer automatisch ab.
Bedenke: Jede Auszahlung kann steuerpflichtige Gewinne auslösen. Bei kleineren, kurzfristigen Liquiditätsengpässen kann es steuerlich klüger sein, einen Kredit aufzunehmen, statt dein Depot anzutasten.
Das klingt paradox. Aber bei niedrigen Zinsen und hohen Buchgewinnen durchaus sinnvoll. Ich nutze diese Strategie selbst bei kurzfristigen Engpässen.
Typische Fehler bei Auszahlungen
Panikverkäufe im Crash. Im März 2020 haben viele Anleger Geld abgezogen, als die Kurse einbrachen. Sie haben Verluste realisiert und die Erholung verpasst. Der Robo Advisor hält deine Strategie, aber er kann dich nicht vor dir selbst schützen.
Zu hohe Entnahmerate. 1.000 Euro monatlich bei 50.000 Euro Depot sind fast 25 % pro Jahr. So ein Depot ist in wenigen Jahren leer. Die sichere Entnahmerate liegt langfristig bei 3 bis 4 Prozent pro Jahr.
Mindestanlagesumme vergessen. Du willst 8.000 Euro auszahlen, das Depot hat 10.000 Euro, die Mindestanlage liegt bei 5.000 Euro. Geht nicht. Bei Anbietern mit 1 Euro Mindestanlage (Evergreen, quirion, Scalable Capital) hast du dieses Problem praktisch nicht.
Keinen Auszahlplan, obwohl man einen braucht. Wer in der Entnahmephase manuell auszahlt, verkauft oft zu emotional (zu viel im Crash, zu wenig im Boom). Ein automatischer Plan nimmt die Emotion raus. Prüfe vorher, ob dein Anbieter einen Auszahlplan bietet.
Meine zwei wichtigsten Empfehlungen
Plane keine Einzahlungen und Auszahlungen gleichzeitig. Das erzeugt unnötige Transaktionen, Spreads und möglicherweise Steuerereignisse.
Wenn du einen Auszahlplan brauchst (oder in 10+ Jahren brauchen wirst): Wähle einen Anbieter, der einen hat. 16 von 33 bieten das. quirion mit der ETF-Rente, growney mit günstigem Einstieg oder Evergreen mit maximaler Flexibilität sind drei starke Optionen unter den Partnern.

