ETFs sind Bausteine. Ein Robo Advisor ist das System, das sie zusammensetzt. Beides hat seinen Platz, aber sie lösen unterschiedliche Probleme.
Wenn du wissen willst, ob sich die Servicegebühr eines Robo Advisors lohnt oder ob dein eigener ETF-Sparplan reicht, brauchst du drei Informationen: Was kostet der Unterschied, was bekommst du dafür, und wie ehrlich bist du zu dir selbst.
Was ein Robo Advisor ist, das ETFs allein nicht sind
ETFs sind Bausteine. Ein Robo Advisor ist das System, das diese Bausteine zusammensetzt.
Wenn du einen MSCI World im Sparplan hast, besitzt du einen guten Baustein. Aber du hast keine Risikosteuerung, kein automatisches Rebalancing und keine Verteilung über verschiedene Anlageklassen. Dein Portfolio besteht aus einem einzigen Produkt, das zu 100 % in Aktien investiert.
Ein Robo Advisor nimmt dir drei Entscheidungen ab: Wie viel Risiko passt zu dir? Welche Kombination aus Aktien, Anleihen und anderen Anlageklassen bildet das ab?
Und wer sorgt dafür, dass die Gewichtung über die Jahre nicht aus dem Ruder läuft? Wer sich für die Details interessiert: In der Übersicht der Anlagekonzepte erklären wir, wie die verschiedenen Anbieter diese Aufgaben lösen.
Der ETF-Sparplan ist das Werkzeug. Der Robo Advisor ist die Werkstatt.
Die Kostenrechnung: ETF-Sparplan vs. Robo Advisor
Die häufigste Frage zuerst: Was kostet der Unterschied?
ETF-Sparplan in Eigenregie: Du zahlst die Fondskosten (TER), beim MSCI World typischerweise 0,2 % pro Jahr. Dazu kommen Ordergebühren, die bei vielen Neobrokern mittlerweile bei null liegen. Gesamtkosten: rund 0,2 % pro Jahr.
Robo Advisor: Du zahlst die Fondskosten plus eine Servicegebühr. Bei den meisten Anbietern liegt das zusammen zwischen 0,5 % und 1,0 % pro Jahr. Die Kostenübersicht zeigt die genauen Zahlen für jeden Anbieter.
Was heißt das in Euro? Bei 50.000 Euro Anlagesumme und 0,6 % Kostenunterschied sind das 300 Euro pro Jahr. Über 20 Jahre, mit Zinseszinseffekt, summiert sich das auf rund 7.000 bis 9.000 Euro.
Die Frage ist nicht, ob der Robo Advisor günstiger ist. Ist er nicht. Die Frage ist, ob du für die Differenz einen Gegenwert bekommst. Der nächste Abschnitt beantwortet das.
Was du für die Mehrkosten bekommst
Vier Dinge, die ein ETF-Sparplan allein nicht liefert:
Automatisches Rebalancing. Wenn Aktien um 30 % steigen und Anleihen stagnieren, verschiebt sich dein Risikoprofil. Ein Robo Advisor korrigiert das automatisch. Bei einem eigenen ETF-Depot müsstest du das selbst tun, regelmäßig, nach festen Regeln. Die meisten machen es nie.
Diversifikation über Anlageklassen. Ein MSCI World ist breit gestreut, aber nur innerhalb einer Anlageklasse: Aktien. Ein Robo Advisor kombiniert Aktien, Anleihen, teilweise Rohstoffe und Immobilien-ETFs. Das senkt die Schwankungen, ohne die Rendite proportional zu drücken.
Systematische Risikosteuerung. Der Robo passt die Aktienquote an dein Risikoprofil an. Wer weniger Schwankung verträgt, bekommt mehr Anleihen. Das klingt simpel, aber die wenigsten Privatanleger setzen sich hin und rechnen aus, wie viel Aktienquote sie sich bei minus 40 % im Crash tatsächlich leisten können.
Keine emotionalen Entscheidungen. Der Robo kennt keine Panik und keine Euphorie. Er setzt die Strategie stur um. Das ist in normalen Zeiten langweilig und in Krisenzeiten Gold wert. Im Vergleich "Robo Advisor oder selbst anlegen" gehen wir tiefer auf diesen Punkt ein.
Wann ein eigener ETF-Sparplan reicht
Nicht jeder braucht einen Robo Advisor. Ein eigener ETF-Sparplan reicht, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind.
Du hast eine klare Zielallokation. Du weißt, wie viel Prozent deines Portfolios in Aktien, Anleihen und andere Anlageklassen gehören. Nicht aus dem Bauch heraus, sondern basierend auf deinem Anlagehorizont und deiner Risikotoleranz.
Du machst Rebalancing. Mindestens einmal pro Jahr prüfst du, ob die Gewichtung noch stimmt, und korrigierst. Nicht "wenn ich dran denke", sondern nach einem festen Termin.
Du bleibst in Krisen ruhig. Bei minus 30 % im Depot loggst du dich nicht panisch ein und verkaufst. Du hältst die Strategie durch oder kaufst sogar nach.
Wenn du alle drei Punkte ehrlich mit Ja beantworten kannst, ist ein eigener ETF-Sparplan die günstigere Wahl. Wenn du bei einem der Punkte zögerst, ist das kein Versagen. Es ist der Grund, warum Robo Advisor existieren.
Und was ist mit der Hausbank?
Manche vergleichen nicht ETF gegen Robo, sondern überlegen, ob das Angebot ihrer Hausbank eine Alternative ist. Kurze Antwort: selten.
Die Kosten. Klassische Bankprodukte (Dachfonds, Mischfonds, fondsgebundene Versicherungen) kosten 1,5 bis 2,5 % pro Jahr. Dazu kommen Ausgabeaufschläge von 3 bis 5 %. Ein Robo Advisor liegt bei 0,5 bis 1,0 %, ein eigener ETF-Sparplan bei 0,2 %. Die Hausbank ist fast immer die teuerste Option.
Der Interessenkonflikt. Dein Bankberater verdient an den Produkten, die er dir empfiehlt. Das heißt nicht, dass er dir schadet, aber es heißt, dass seine Empfehlung nicht unabhängig ist. Er verkauft, was die Bank im Regal hat.
Der Vergleich. ETF-Sparplan und Robo Advisor sind sich in einem Punkt einig: Beide sind transparenter und günstiger als die klassische Bankberatung. Die Frage, ob du einen Robo brauchst oder ETFs selbst kaufst, ist eine gute Frage. Die Frage, ob die Hausbank mithalten kann, hat der Markt bereits beantwortet.
Die Entscheidung
Wenn du bis hierhin gelesen hast, hast du wahrscheinlich schon ETFs im Depot. Vielleicht einen MSCI World, vielleicht noch einen Emerging Markets dazu. Aber kein System, das das Ganze zusammenhält.
Die Entscheidung ist keine zwischen gut und schlecht. Sie ist eine zwischen "ich mache alles selbst und bleibe diszipliniert" und "ich lasse ein System die Arbeit übernehmen und zahle dafür". Beides funktioniert. Aber nur eins funktioniert auch dann, wenn du mal drei Monate nicht hinschaust.
Viele Anleger profitieren auch davon, dass sie mehrere Anlageziele bei einem Robo Advisor kombinieren können, statt alles in einem ETF-Depot zu mischen. Im Robo Advisor Vergleich siehst du, welche Anbieter zu deiner Situation passen. Mit echten Performance-Daten aus unserem Echtgeld-Test. Legst du für dein Kind an, sind das oft 18 Jahre Anlagehorizont. Im Kinderdepot Vergleich findest du die acht Anbieter mit Kinderdepot.
