Du hast die Kosten verglichen. Du hast die Echtgeld-Performance gesehen. Aber weder Kosten noch Rendite beantworten die entscheidende Frage: Wie wird dein Geld eigentlich investiert?
Bei einem Robo steckt es in 5 breit gestreuten ETFs. Bei einem anderen in 20 handverlesenen Einzelaktien. Beim dritten steuert ein Algorithmus die Allokation alle 16 Wochen neu. Drei grundverschiedene Ansätze, derselbe Oberbegriff.
Die Strategie erklärt, warum in unserem Echtgeld-Test zwischen dem besten und dem schwächsten Robo über 40 Prozentpunkte Unterschied liegen. Die Kosten sagen dir, was du zahlst. Die Performance zeigt dir, was herauskommt. Aber die Strategie erklärt, warum.
Auf dieser Seite findest du den vollständigen Strategievergleich aller 33 Robo Advisor am deutschen Markt: fünf Strategietypen, sechs Analyse-Achsen und eine ehrliche Orientierung, welcher Ansatz zu welchem Anlegertyp passt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die 33 Robo Advisor lassen sich in fünf Strategietypen einteilen: Passiv-ETF-Standard, Passiv mit Faktorprämien, Dynamisch-algorithmisch, Aktiv-fondsbasiert und Einzeltitel-Mandatsverwaltung.
- Es gibt kein lineares Ranking wie bei Kosten. Die passende Strategie hängt vom Anlegerprofil ab: Risikobereitschaft, Anlagehorizont, Wunsch nach Kontrolle und Nachhaltigkeitspräferenz.
- Die Produktbasis unterscheidet sich fundamental: Von 5 ETFs (growney) über eigene Publikumsfonds mit täglicher Futures-Steuerung (Evergreen) bis zu 20 handverlesenen Einzelaktien (Estably).
- In unserem Echtgeld-Test liegen über 40 Prozentpunkte zwischen dem besten und schwächsten Robo. Kosten allein erklären diesen Unterschied nicht. Die Strategie schon.
Gleicher Name, komplett anderes Depot
Ein growney-Depot mit grow70 enthält 5 ETFs und hat immer 70 % Aktienquote. Ein cominvest-Depot mit Profil „Wachstum“ kann zwischen 20 und 80 % Aktien schwanken, weil der Algorithmus nach Volatilitätsgrenzen steuert. Ein Solidvest-Depot enthält 20 bis 30 Einzelaktien, ausgewählt nach der FMM-Methode der DJE Kapital AG.
Alle drei heißen „Robo Advisor“. Aber was in deinem Depot passiert, ist bei jedem grundlegend anders. Das erklärt, warum in unserem Echtgeld-Test manche Robos im Crash-Jahr 2022 kaum Verluste hatten, andere fast ein Drittel verloren.
Fünf Strategietypen im deutschen Markt
Wer alle 33 Anbieter nebeneinanderlegt, sieht kein Chaos, sondern fünf klar unterscheidbare Strategietypen. Die Zuordnung ist nicht immer trennscharf (manche Anbieter haben Elemente aus mehreren Typen), aber sie gibt dir eine solide Orientierung.
Typ 1: Passiv-ETF-Standard (ca. 40 % des Marktes)
growney, fintego, Raisin Invest, Mintos, Peaks, OSKAR, WillBe, Scalable Wealth.
Diese Anbieter kaufen breit gestreute ETFs, staffeln das Risiko über die Aktienquote und rebalancen regelmäßig. Kein Faktoranspruch, keine taktischen Eingriffe. Die Philosophie: Marktrendite minus minimale Kosten.
Der Ansatz basiert auf der Überzeugung, dass die meisten aktiven Manager den Markt langfristig nicht schlagen. Statt es besser zu versuchen, bilden diese Robos den Markt möglichst effizient ab. Dein Geld liegt in wenigen, breit diversifizierten ETFs (typischerweise 3 bis 10 Positionen) mit fester Aktienquote.
Scalable Wealth sticht heraus, weil es neben klassischen Weltportfolios auch thematische Strategien anbietet: Value, Megatrends, Klima, BIP-Gewichtung, Allwetter, ZinsInvest. Der Strategieansatz selbst bleibt passiv-regelbasiert, aber die Vielfalt ist im Typ-1-Segment einzigartig.
Passt zu dir, wenn du an die Effizienz der Märkte glaubst, minimale Kosten willst und bereit bist, Marktschwankungen auszusitzen.
Typ 2: Passiv mit Faktorprämien (ca. 15 %)
quirion, Gerd Kommer Capital, Ginmon.
Gleiche Grundidee wie Typ 1, aber mit einem Zusatzanspruch: systematisch dokumentierte Renditequellen (Faktoren) erschließen. Value, Small Cap, Momentum, Low Volatility. Die akademische Forschung dokumentiert diese Prämien seit Jahrzehnten (Fama/French, Carhart, Novy-Marx).
Die Unterschiede zwischen den dreien sind relevant: quirion nutzt vier Faktoren und differenziert die Anleiheseite in risikoreduzierend und renditeorientiert. Gerd Kommer gewichtet nach BIP statt Marktkapitalisierung und verzichtet bewusst auf ESG. Ginmon ergänzt um Immobilien und Rohstoffe als feste Bausteine.
Passt zu dir, wenn du die Marktrendite als Ausgangspunkt nimmst, aber systematisch dokumentierte Zusatzrenditen mitnehmen willst. Voraussetzung: Du verstehst, dass Faktorprämien über einzelne Jahre auch negativ sein können.
Typ 3: Dynamisch-algorithmisch (ca. 12 %)
cominvest, ROBIN, Smavesto.
ETF-basiert, aber mit aktiver Risikosteuerung. Diese Anbieter verändern die Allokation algorithmisch je nach Marktlage. Der entscheidende Unterschied zu Typ 1: Die Aktienquote ist kein fester Wert, sondern eine Variable.
cominvest hat den transparentesten Prozess: alle 16 Wochen eine vollständige Portfolio-Neuoptimierung auf Basis von Rendite-Risiko-Schätzungen. Dazwischen läuft tägliches Monitoring mit schwellenbasiertem Rebalancing. ROBIN (Deutsche Bank) nutzt eine ähnliche algorithmische Steuerung. Smavesto setzt auf KI-gestützte Portfoliosteuerung im Sparkassen-Umfeld.
Passt zu dir, wenn du einen systematischen Ansatz willst, der auf Marktveränderungen reagiert, ohne dass ein Mensch subjektiv entscheidet. Du akzeptierst dafür höhere Kosten als bei Typ 1.
Typ 4: Aktiv-fondsbasiert (ca. 20 %)
Fidelity Wealth Expert, MorgenFund, Openbank, Consorsbank, Zeedin, Flossbach von Storch ONE, Warburg Navigator, LIQID Select.
Hier managen Menschen (manchmal unterstützt von Algorithmen) die Allokation aktiv und setzen auch aktive Fonds ein. Der Anspruch: Mehrwert durch Managementexpertise und taktische Entscheidungen.
Die Spanne ist groß: Flossbach von Storch ONE arbeitet mit eigenen Fonds und der Pentagramm-Philosophie (bis zu 30 Analysten). MorgenFund nutzt die DWS-Hausmeinung (CIO View) für 19 Portfolios. Fidelity setzt auf einen Multi-Manager-Ansatz mit strategischer und taktischer Allokation. LIQID Select bietet über die LGT-Partnerschaft Zugang zu Hedgefonds und alternativen Anlagen ab 100.000 €.
Passt zu dir, wenn du auf die Expertise erfahrener Portfoliomanager setzt und bereit bist, für aktives Management mehr zu zahlen. Du akzeptierst, dass aktive Manager sowohl besser als auch schlechter abschneiden können als der Markt.
Typ 5: Einzeltitel-Mandatsverwaltung (ca. 6 %)
Estably, Solidvest.
Keine Fonds, keine ETFs als Kernstrategie. Stattdessen handverlesene Einzelaktien und Anleihen. Am nächsten an klassischer Vermögensverwaltung.
Estably wählt 20 bis 25 Aktien nach modernen Value-Investing-Prinzipien (Benjamin Graham, Warren Buffett) aus. Solidvest nutzt die FMM-Methode der DJE Kapital AG (Fundamental, Monetär, Markttechnisch) mit über 500 Unternehmensgesprächen pro Jahr. Beide steuern das Risiko über den Aktien/Anleihen-Mix und können in schwierigen Phasen die Cash-Quote aktiv erhöhen.
Passt zu dir, wenn du wissen willst, welche Unternehmen in deinem Depot liegen (nicht nur, welche ETFs). Du bringst mindestens 10.000 bis 20.000 € mit und hast Vertrauen in die Titelauswahl des Managements.
Sonderfälle
Drei Anbieter passen nicht sauber in die fünf Typen:
Evergreen: Eigene Fondshülle mit täglichem Futures-basiertem Risikomanagement. Kein ETF im Portfolio. Steuerneutrales Rebalancing innerhalb der Fonds. Der deutlichste Gegenentwurf zum ETF-Standard.
vividam: 100 % aktive Impact-Fonds. Bewusster Verzicht auf ETFs. Die konsequenteste Nachhaltigkeitsstrategie im Markt, aber auch die teuerste (TER ~1,76 %).
inno invest: Bis zu 14 kombinierbare Strategien, von ETFs bis KI-gesteuerte Einzeltitel. Die größte Flexibilität im Markt, aber auch die komplexeste Gebührenstruktur.
Alle 33 Robo Advisor im Strategievergleich
Die folgende Tabelle zeigt die strategische DNA aller 33 Anbieter auf einen Blick. Anders als beim Kostenvergleich gibt es hier kein lineares Ranking. Stattdessen siehst du sechs Achsen, die dir zeigen, wie sich die Anbieter in ihrem Anlageansatz unterscheiden.
Anbieter | Strategie- | Produkt- | Anlage- | Risiko- | ESG | Besonder- |
|---|---|---|---|---|---|---|
Passiv-ETF | ETFs | Aktien, Anleihen | 5 + Themen | Separate Linie | Kern-Satelliten mit Deka | |
Dynamisch-algo. | ETFs, ETCs | Multi-Asset | 5 (Volatilitätsziel) | Separate Variante | Volatilitäts- | |
Consorsbank | Aktivfonds | Aktive Fonds + ETFs | Multi-Asset | 5 | Integriert | BNP Paribas |
Einzeltitel | Einzelaktien, Anleihen | Aktien, Anleihen | 4 + ESG + Select | Separate Variante | Value Investing, Liechtenstein | |
Sonderfall | Eigene Fonds | Aktien, Anleihen | 11 | Vollständig (Art. 8/9) | Eigene Fondshülle, Futures | |
Aktivfonds | Fonds (intern + extern) | Multi-Asset | 7 | Im Onboarding | Multi-Manager-Ansatz | |
Passiv-ETF | ETFs | Multi-Asset | 5 + 5 ESG | Separate Linie (green+) | Verlust- | |
Flossbach von Storch ONE | Aktivfonds | Eigene Fonds | Multi-Asset + Gold | 7 | Integriert | Pentagramm, ab 100k |
Passiv+ | ETFs | Aktien, Anleihen | Frei wählbar (0−100) | Bewusst ohne | BIP-Gewichtung, Faktoren | |
Passiv+ | ETFs | Multi-Asset | 10 + 10 ESG | Separate Linie (Green) | Faktor- | |
Passiv-ETF | ETFs | Aktien, Anleihen, Geldmarkt | 5 + 5 ESG | Separate Linie | BIP-Gewichtung, günstig | |
ING Smart Invest | Passiv-ETF | ETFs, ETCs | Multi-Asset | 3 Welt + 3 Fokus | ESG verfügbar | Von Scalable verwaltet |
inno invest | Sonderfall | ETFs, Aktien | Multi-Asset + Einzeltitel | Bis zu 14 | Separate Linie | KI-Strategie, kombinierbar |
Passiv+ | ETFs | Aktien, Anleihen + Themen | Basis + Themen | ESG-Themen | Themen- | |
Aktivfonds | ETFs bis Hedgefonds | Multi-Asset + Alternative | 10 je Linie | Separate Linie (Future) | 3 Linien, LGT, ab 100k | |
Passiv-ETF | ETFs | Aktien, Anleihen | Profilbasiert | Nein | 0 % Platt- | |
Aktivfonds | Aktive Fonds + ETFs | Multi-Asset | 19 | Im Onboarding | DWS, CIO View | |
Openbank | Aktivfonds | Aktive + passive Fonds | Multi-Asset (18 Klassen) | 5 | Mind. 50 % ESG | Risikobasiert, Santander AM |
Passiv-ETF | ETFs | Multi-Asset + Gold | 5 | Separate Variante | Von Scalable, ab 25 € | |
Peaks | Passiv-ETF | ETFs | Aktien, Anleihen | 4 + eigenes | Vollständig (Top 25 %) | App-basiert, Krypto optional |
Passiv+ | ETFs | Aktien, Anleihen | 10 + 10 ESG | Separate Linie | 4 Faktoren, Quirin-Bank | |
Passiv-ETF | ETFs | Aktien, Anleihen | Profilbasiert | Nein | Vanguard-nah, günstig | |
Revolut | Passiv-ETF | ETFs | Aktien, Anleihen | Profilbasiert | Nein | App-basiert, international |
Dynamisch-algo. | ETFs | Multi-Asset | 5 | Integriert | Deutsche Bank, Algorithmus | |
Passiv-ETF | ETFs, ETCs, ETPs | Multi-Asset + Gold | Welt + thematisch | Separate Variante | Strategie- | |
Dynamisch-algo. | ETFs, ETCs | Multi-Asset | 5 | Separate Variante | KI-gestützt, Sparkasse | |
Einzeltitel | Einzelaktien, Anleihen | Aktien, Anleihen | 4 + Zins | Nein | FMM-Methode, DJE | |
Passiv-ETF | ETFs/Aktive Fonds | Multi-Asset | VestFolio + GreenFolio | Separate Linie | Union Investment | |
Sonderfall | Aktive Impact-Fonds | Aktien, Anleihen, Immo | 4 | Vollständig (Impact) | 100 % Impact-Fonds | |
Aktivfonds | ETFs | Multi-Asset | Risikoklassen | Integriert | M.M.Warburg, taktisch | |
Passiv+ taktisch | ETFs | Multi-Asset | Value + Global | Nein | 2 Produktlinien | |
WillBe | Passiv-ETF | ETFs | Aktien, Anleihen | 5 | Separate Variante | LLB Liechtenstein |
Aktivfonds | ETFs + aktive Fonds | Multi-Asset + Alternative | Risikoklassen | Separate Linie | Hauck Aufhäuser Lampe |
Hinweis: Bei Anbietern mit mehreren Produktlinien (z.B. LIQID Global/Select/Future) bildet die Tabelle den Hauptansatz ab. Detaillierte Profile findest du in den Einzeltests.
Die sechs Achsen, auf die es ankommt
Beim Kostenvergleich gibt es eine klare Zahl: Gesamtkosten pro Jahr. Bei Anlagestrategien gibt es keine einzelne Kennzahl, die alles zusammenfasst. Stattdessen unterscheiden sich die 33 Anbieter auf sechs Achsen. Jede Achse beeinflusst, wie dein Geld arbeitet.
1. Anlageansatz: Passiv, aktiv oder algorithmisch?
Die grundlegendste Frage. Vereinfacht:
Passiv heißt: Der Robo bildet den Markt ab und greift nicht aktiv ein. Einmal festgelegt, bleibt die Strategie gleich. Änderungen kommen nur durch Rebalancing (Wiederherstellen der Zielquoten). Das ist der Ansatz von growney, quirion, Gerd Kommer, Raisin Invest und weiteren.
Algorithmisch-dynamisch heißt: Ein Algorithmus überwacht die Märkte und passt die Allokation aktiv an. cominvest optimiert alle 16 Wochen, ROBIN und Smavesto steuern laufend. Die Aktienquote ist keine Konstante, sondern eine Variable.
Aktiv-diskretionär heißt: Menschen treffen Anlageentscheidungen. Bei Solidvest wählt das DJE-Analystenteam Einzelaktien aus. Bei Fidelity steuert ein Multi-Manager-Team die Fondsauswahl. Bei Flossbach von Storch ONE entscheidet das Fondsmanagement über die Maximalquoten.
Warum das für dich zählt: Passiv ist vorhersagbarer und günstiger. Aktiv kann in Krisen schneller reagieren, kostet aber mehr und liefert keine Garantie für bessere Ergebnisse.
2. Produktbasis: ETFs, aktive Fonds oder Einzeltitel?
Was liegt tatsächlich in deinem Depot? Das bestimmt Kosten, Transparenz und Charakter deiner Anlage.
Nur ETFs (ca. 36 % der Anbieter): growney, quirion, Gerd Kommer, fintego, Ginmon, Raisin Invest, Mintos, Peaks, OSKAR, WillBe, bevestor, Revolut. Niedrigste Fondskosten (TER 0,10−0,25 %), höchste Transparenz.
ETFs + aktive Fonds gemischt (ca. 18 %): MorgenFund, Fidelity, Consorsbank, VisualVest (GreenFolio), Openbank, Zeedin. Höhere Fondskosten, dafür Zugang zu spezialisiertem Management.
Eigene Fonds: Evergreen (drei eigene Publikumsfonds), Flossbach von Storch ONE (Vermögen-Teilfonds). Besonderes Modell mit steuerneutralem Rebalancing innerhalb der Fondshülle.
Einzelaktien + Anleihen: Estably, Solidvest. Keine Fondskosten (TER = 0 %), dafür höhere Servicegebühren und Performance-Fee.
Ein Estably-Depot mit 20 Einzelaktien ist etwas fundamental anderes als ein growney-Depot mit 5 ETFs. Bevor du Kosten oder Performance vergleichst, sollte dir klar sein, was überhaupt im Depot liegt.
3. Anlageklassen-Breite: Aktien und Anleihen oder Multi-Asset?
Etwa 60 % der Anbieter investieren über Aktien und Anleihen hinaus auch in Rohstoffe, Gold, Immobilien oder alternative Anlagen.
Nur Aktien + Anleihen: growney, Gerd Kommer (Basismodell), Peaks, Estably, Solidvest, Raisin Invest, Mintos, WillBe. Einfach, transparent, bewährt.
Plus Rohstoffe/Gold: cominvest, Scalable Wealth, OSKAR, ROBIN, Smavesto, LIQID, Whitebox. Gold hat historisch in Aktienmarktkrisen stabilisierend gewirkt.
Plus Immobilien: Ginmon, vividam, Gerd Kommer (Immobilien-ETF im risikobehafteten Teil). Zusätzliche Diversifikation über eine eigene Anlageklasse.
Plus Alternative Anlagen: LIQID Select (Hedgefonds), MorgenFund, Openbank (18 Anlageklassen), Zeedin. Hier wird die Grenze zum klassischen Robo fließend.
Mehr Anlageklassen bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse. Für einen Anlagehorizont von 10+ Jahren hat ein reines Aktien-plus-Anleihen-Portfolio historisch kaum schlechter abgeschnitten als ein Multi-Asset-Portfolio. Der Unterschied liegt eher im Verhalten unterwegs: Multi-Asset schwankt weniger stark, was das Durchhalten erleichtert.
4. Risikosteuerung: Feste Quoten, Bandbreiten oder aktive Steuerung?
Wie stellt der Robo sicher, dass dein Risikoprofil eingehalten wird? Drei grundlegend verschiedene Ansätze:
Feste Zielquoten: growney (grow70 = immer 70 % Aktien), quirion, Gerd Kommer, fintego, Raisin Invest. Der einfachste Ansatz. Die Quote ist transparent und vorhersagbar. Rebalancing stellt sie regelmäßig wieder her.
Volatilitätsziele/Bandbreiten: cominvest (max. 4−20 % Volatilität je Profil), Openbank (risikobasiert statt quotenbasiert). Die Aktienquote schwankt, das Risiko bleibt im Zielkorridor.
Aktive Steuerung mit Ermessensspielraum: Flossbach von Storch ONE (Maximalquoten, die nicht zwingend ausgeschöpft werden), Solidvest, Estably (Cash-Quote als Steuerungsinstrument), Evergreen (tägliche Quotenanpassung im Stable World Fund über Futures).
Für dich heißt das: Wenn du einen grow70 bei growney kaufst, weißt du immer, dass 70 % in Aktien stecken. Wenn du bei cominvest das Wachstumsprofil wählst, kann die Aktienquote zwischen 20 und 80 % liegen. Gleiche Risikoklasse, fundamental verschiedene Mechanik.
5. ESG-Integration: Von „Kein Thema“ bis „100 % Impact“
Nachhaltigkeit ist 2026 kein Nischenthema mehr. 25 von 33 Anbietern bieten eine ESG-Option. Aber die Umsetzung variiert enorm:
Separate ESG-Linie (häufigste Variante): fintego (green+), Ginmon (Green), growney (growgreen), quirion, LIQID (Future), bevestor, Scalable Wealth, Smavesto, WillBe, VisualVest (GreenFolio), Zeedin, OSKAR. Du wählst aktiv zwischen „klassisch" und „nachhaltig".
Vollständig integriert: Evergreen (alle Fonds Art. 8/9), Peaks (nur Top-25 %-ETFs), vividam (100 % Impact-Fonds). Hier gibt es keine nicht-nachhaltige Option.
Bewusst ohne ESG: Gerd Kommer Capital. Explizite Entscheidung, begründet damit, dass individuelle Wertesysteme nicht sinnvoll in einem Standardportfolio abgebildet werden können.
Nachhaltigkeit hat in der Regel einen Preis: Nachhaltige Strategien kosten im Schnitt 0,08 bis 0,46 Prozentpunkte mehr pro Jahr, weil aktive Nachhaltigkeitsfonds teurer sind als Standard-ETFs. Die Ausnahme sind Anbieter wie growney, deren ESG-Variante (growgreen) auf günstigen ESG-ETFs basiert und kaum teurer ist.
6. Rebalancing: Wie wird dein Portfolio in Form gehalten?
Rebalancing sorgt dafür, dass dein Portfolio die Zielallokation beibehält. Steigen Aktien stark, würde ihr Anteil ohne Eingriff zu groß. Rebalancing bringt die Gewichtung zurück auf das Zielniveau.
Kalenderbasiert: growney (jährlich im Dezember + anlassbezogen), bevestor (mindestens 1x jährlich), fintego. Einfach, vorhersagbar, günstig.
Schwellenbasiert: quirion (mindestens jährlich + bei 10 % Abweichung), Scalable Wealth (tägliche Prüfung, regelbasierte Anpassung), LIQID Global (tägliche algorithmische Prüfung). Reagiert schneller auf große Marktbewegungen.
Cashflow-basiert: Mintos (Rebalancing bei Zu-/Abflüssen statt nach Kalender). Praktisch für Sparpläne.
Tägliche aktive Steuerung: Evergreen (tägliche Quotenanpassung über Futures), cominvest (tägliches Monitoring + alle 16 Wochen Neuoptimierung).
Wer regelmäßig per Sparplan einzahlt, profitiert auch bei einfachen kalendergestützten Systemen: Jede Einzahlung kann als Fresh-Money-Rebalancing genutzt werden, indem der Robo bevorzugt in die untergewichteten Positionen investiert. Tägliche Steuerung klingt besser, ist aber nicht automatisch effektiver.
Welche Strategie passt zu deinem Anlegertyp?
Das Ranking oben gibt dir die Fakten. Aber Fakten allein reichen nicht. Was zählt, ist die richtige Frage: Welcher Ansatz passt zu mir?
Statt nach der „besten" Strategie zu suchen, hilft es, die richtige Frage zu stellen: In welchem Segment bist du unterwegs?
Du willst maximale Einfachheit
Du willst ein sauberes ETF-Portfolio, das breit diversifiziert ist und automatisch rebalanced wird. Keine taktischen Spielereien, keine aktiven Eingriffe. Einmal einrichten, laufen lassen.
Die erste Wahl:
- growney: 5 ETFs, feste Aktienquoten (20−100 %), BIP-Gewichtung, niedrigste Fondskosten (TER 0,12 %) im Markt. Kosten-Effizienz-Sieger im Echtgeld-Test bei nur 0,50 % Gesamtkosten. → Zum growney Einzeltest
- OSKAR: Ab 25 € Sparrate, familienfreundlich mit Junior-Depot, Multi-Asset inkl. Gold. Von Scalable verwaltet. → Zum OSKAR Einzeltest
- Scalable Wealth: Passiv-ETF mit dem größten Strategie-Baukasten im Typ-1-Segment. Weltportfolios, Value, Megatrends, Klima, ZinsInvest. EZB-Vollbanklizenz seit 2025. Im Echtgeld-Test seit 2024. → Zum Scalable Capital Einzeltest
Du willst systematische Faktorprämien
Du glaubst an die akademische Forschung hinter Value, Small Cap und Momentum. Du willst nicht nur Marktrendite, sondern die dokumentierten Zusatzrenditen systematisch mitnehmen.
Die erste Wahl:
- quirion: 4 Faktoren (Value, Small Cap, Momentum, Low Volatility), differenzierte Anleiheseite, Quirin-Privatbank im Rücken. Bester passiver Robo und Top 3 gesamt im Echtgeld-Test. → Zum quirion Einzeltest
- Gerd Kommer Capital: BIP-Gewichtung statt Marktkapitalisierung, Small Size, Value, Quality, Momentum. Die feinste Individualisierung im Markt (0−100 % Aktien in beliebiger Abstufung). Bester Crash-Schutz aller passiven Robos im Krisenjahr 2022. Bewusst ohne ESG.
- Ginmon: Aktien-, Size- und Value-Prämie, ergänzt um Immobilien und Rohstoffe. Steueroptimierung und antizyklisches Rebalancing inklusive.
Du willst algorithmische Risikosteuerung
Du willst einen Ansatz, der auf Marktveränderungen reagiert, aber nicht auf der subjektiven Meinung eines Fondsmanagers basiert. Ein systematischer Algorithmus statt menschlichem Bauchgefühl.
Die erste Wahl:
- cominvest: Rang 1 im Echtgeld-Test, Rang 1 im Echtgeld-Ranking über die volle Laufzeit. Bester Crash-Schutz aller Robos im Krisenjahr 2022. Alle 16 Wochen Neuoptimierung, tägliches Monitoring, Volatilitätssteuerung statt fester Aktienquoten. → Zum cominvest Einzeltest
- Smavesto: KI-gestützte Portfoliosteuerung im Sparkassen-Umfeld. Top 3 beim Crash-Schutz 2022. → Zum Smavesto Einzeltest
Du willst Einzeltitel statt Fonds
Du willst wissen, welche Unternehmen in deinem Depot liegen. Nicht nur, welcher ETF mit welcher ISIN. Sondern: Apple, LVMH, Siemens. Echte Unternehmen, ausgewählt von einem Analystenteam.
Die erste Wahl:
- Estably: 20−25 Aktien nach Value-Investing-Prinzipien. Keine Fondskosten (TER = 0 %), dafür 10 % Performance-Fee. Mindestanlage 5.000 €. Ehrliche Einordnung: höchste Volatilität aller Robos im Echtgeld-Test, mit extremen Ausschlägen in beide Richtungen. Nur für Anleger mit echtem Value-Verständnis und Nerven für starke Drawdowns. → Zum Estably Einzeltest
- Solidvest: FMM-Methode der DJE Kapital AG, über 500 Unternehmensgespräche pro Jahr. 4 Strategien (100/0 bis 25/75 Aktien/Anleihen) plus Zins-Strategie. Im Echtgeld-Test mit gutem Crash-Schutz 2022, aber schwächerer Langfristrendite. Mindestanlage 10.000 € mit Sparplan. → Zum Solidvest Einzeltest
Du willst konsequent nachhaltig investieren
Nachhaltigkeit ist für dich kein Marketinglabel, sondern eine Grundhaltung. Du willst wissen, dass dein Geld ausschließlich in nachhaltige Anlagen fließt.
Die erste Wahl:
- vividam: Der konsequenteste Nachhaltigkeits-Robo. 100 % aktive Impact-Fonds (Candriam, Swisscanto, Erste AM, EB-SIM). Keine ETFs, kein Kompromiss. Aber: die höchsten Gesamtkosten im Markt (2,94 %) und schwächste Langfrist-Performance unter den nachhaltigen Robos im Echtgeld-Test. Nur für Anleger, denen maximaler Impact wichtiger ist als Rendite. → Zum vividam Einzeltest
- Evergreen: Alle drei eigenen Fonds sind Art. 8 oder 9 (SFDR). Nachhaltigkeit plus dynamisches Risikomanagement plus steuerneutrales Rebalancing. Deutlich günstiger als vividam (0,79 % Gesamtkosten). Im Echtgeld-Test seit 2023. → Zum Evergreen Einzeltest
Du willst maximale Strategieauswahl und Managementtiefe
Du bringst 50.000 € oder mehr mit und willst Zugang zu komplexeren Strategien: Multi-Manager-Ansätze, taktische Allokation, alternative Anlagen. Du suchst eher eine digitale Vermögensverwaltung als einen Standard-Robo.
Die erste Wahl:
- LIQID: Drei fundamental verschiedene Linien (Global, Future, Select) mit je 10 Risikostufen. LGT-Partnerschaft, Zugang zu Hedgefonds und alternativen Anlagen in der Select-Linie. Ab 100.000 €.
- MorgenFund: 19 Portfolios, gesteuert nach Zielvolatilität, DWS-Hausmeinung (CIO View). Im Echtgeld-Test seit 2024 mit überdurchschnittlichem Start. Ab 500 €. → Zum MorgenFund Einzeltest
- Fidelity Wealth Expert: Multi-Manager-Ansatz mit strategischer und taktischer Allokation. 7 Strategien. Ehrliche Einordnung: Liegt in unserem Echtgeld-Test bisher im unteren Mittelfeld. Der Markenname allein liefert keine Outperformance. Ab 500 €. → Zum Fidelity WE Einzeltest
Du willst eine vertraute Bankmarke
Dir ist wichtig, wer hinter dem Robo steht. Vertrauen und Infrastruktur zählen für dich mehr als der letzte Basispunkt Gebühr.
Die erste Wahl:
- bevestor: Sparkassen-Infrastruktur, Deka-Fondsresearch. Kern-Satelliten-Architektur mit Themeninvestments. Solides Mittelfeld im Echtgeld-Test. → Zum bevestor Einzeltest
- Zeedin: Privatbank-Robo von Hauck Aufhäuser Lampe. Klassische Vermögensverwaltungsexpertise, digital zugänglich. Oberes Mittelfeld im Echtgeld-Test. Ab 50.000 €. → Zum Zeedin Einzeltest
- Smavesto: Sparkasse Bremen mit KI-gestützter Portfoliosteuerung. Top 3 beim Crash-Schutz 2022 im Echtgeld-Test. → Zum Smavesto Einzeltest
Was unsere Echtgeld-Depots über Strategien zeigen
Die Tabellen und Kategorien oben zeigen Konzepte. Unser Echtgeld-Test zeigt, was in der Praxis daraus wird.
Wir tracken 15 Robo Advisor mit eigenem Geld. Jeden Monat. Mit echten Einzahlungen, echten Gebühren und echten Ergebnissen. Insgesamt rund 500.000 € in 43 Strategien bei 25 Anbietern. Keine Backtests, keine Modellrechnungen, keine Anbieter-Daten. Echtes Geld, echte Märkte, echte Ergebnisse nach Kosten.
Strategie und Performance: Was unser Echtgeld-Ranking zeigt
Die aktuellen Renditen und Ränge findest du im monatlichen Performance-Vergleich. Hier geht es um die strukturellen Muster, die sich über die Jahre hinweg zeigen:
Die Strategie erklärt die Performance-Unterschiede. Zwischen Rang 1 und dem Schlusslicht liegen über 40 Prozentpunkte Differenz. Kosten allein erklären das nicht (die Kostenunterschiede sind viel geringer). Der entscheidende Faktor ist der Strategieansatz: Volatilitätssteuerung, Faktorprämien, konzentriertes Value Investing oder passives Marktabbilden produzieren fundamental verschiedene Ergebnisse.
Crash-Schutz ist das stärkste Differenzierungsmerkmal. Im Krisenjahr 2022 lagen die Verluste der getesteten Robos zwischen rund −6 % und −29 %. Algorithmische Risikosteuerung (cominvest, Smavesto) und Faktorportfolios (Gerd Kommer) haben besser geschützt als die meisten aktiven Manager. Dieses Muster ist direkt auf die Strategiearchitektur zurückzuführen.
Rang 1 geht an algorithmische Steuerung. cominvest führt unser Echtgeld-Ranking über die volle Laufzeit an. Die Kombination aus Volatilitätssteuerung, regelmäßiger Neuoptimierung und täglichem Monitoring macht den Unterschied. Das zeigt: Die richtige Strategie kann sich auszahlen.
Nachhaltig kostet Performance. Nachhaltige Strategien performen in unserem Echtgeld-Test systematisch schwächer als konventionelle. Das ist kein Zufall: eingeschränktes Anlageuniversum, höhere Produktkosten, Ausschluss von Top-Performern (Öl, Rüstung, bestimmte Tech-Werte).
Die vollständige Auswertung mit allen Anbietern, Strategien und Zeiträumen findest du in unserem monatlichen Performance-Vergleich.
So findest du die passende Anlagestrategie
Drei Schritte, die dir die Entscheidung erleichtern:
Schritt 1: Kläre dein Profil. Wie viel Risiko kannst du tragen (nicht nur ertragen)? Wie lang ist dein Anlagehorizont? Wie viel willst du selbst verstehen und kontrollieren? Ein Anleger, der bei 20 % Minus den Sparplan stoppt, braucht eine andere Strategie als einer, der bei 30 % Minus nachkauft.
Schritt 2: Wähle deinen Strategietyp. Die fünf Typen oben sind dein Kompass. Wenn du an effiziente Märkte glaubst, bist du bei Typ 1 oder 2 richtig. Wenn du auf algorithmische Steuerung setzt, bei Typ 3. Wenn du Expertenwissen und aktives Management willst, bei Typ 4. Wenn du echte Unternehmen im Depot sehen willst, bei Typ 5.
Schritt 3: Prüfe Kosten und Performance innerhalb deines Typs. Erst wenn du deinen Strategietyp kennst, machen der Kostenvergleich und der Performance-Vergleich wirklich Sinn. Denn einen growney (Typ 1, 0,50 %) mit einem Solidvest (Typ 5, 1,40 %) zu vergleichen, ist wie einen VW Polo mit einem Mercedes E-Klasse nach Versicherungsprämie zu vergleichen. Technisch korrekt, aber sinnlos. Die Strategie erklärt den Unterschied.
Der Dreiklang für deine Entscheidung: Strategie verstehen, Kosten prüfen, Performance mit echtem Geld vergleichen. In dieser Reihenfolge.
